Chapter 10: Jens’ verzweifelte Tat

#content-1

Ich rief Jens an, um ihm die wahren Zusammenhänge der Ehrenstein-Klausel zu erklären. Er nahm nach dem dritten Klingeln ab, seine Stimme klang belegt.

„Lena? Was willst du jetzt? Mama ist immer noch sauer auf dich.“

„Jens, es geht nicht um Mama“, sagte ich und versuchte, ruhig zu bleiben. „Es geht um das Haus. Und um diesen Pakt.“

Ich erzählte ihm von Elisabeth von Ehrenstein, von der „Lebensessenz des Anwesens“ und den Konsequenzen des Bruchs des Paktes. Er hörte mir schweigend zu.

„Das ist doch alles Spinnerei, Lena“, sagte er schließlich. „Alte Märchen. Mama sagt, du versuchst nur, dich vor deiner Verantwortung zu drücken.“

„Es sind keine Märchen, Jens“, erwiderte ich, meine Geduld war am Ende. „Der Kronleuchter ist heruntergefallen. Die Kälte, die Stimmen. Das sind die Manifestationen.“

„Das ist alles nur Zufall“, beharrte er. „Mama sagt, wir müssen etwas tun, um die Geister zu besänftigen. Sie hat da eine Idee.“

„Was für eine Idee?“, fragte ich, meine Alarmglocken läuteten. Helgas „Ideen“ waren in der Regel manipulativ und selbstzerstörerisch.

„Nichts Besonderes“, wich er aus. „Nur so ein alter Brauch, den sie sich erinnert hat. Um das Glück zurückzubringen.“

Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem Magen bildete. Er hatte mir nichts gesagt, aber seine Stimme verriet, dass er etwas tat.

„Jens, hör zu“, sagte ich eindringlich. „Wenn Mama dich bittet, etwas mit dem Haus zu tun, das mit alten Bräuchen zu tun hat, dann sag mir das sofort. Vertrau mir, nicht ihr.“

Er murmelte etwas Unverständliches und legte dann auf. Ich starrte auf mein Telefon, mein Herz pochte.

Einige Stunden später klingelte mein Telefon erneut. Es war eine unbekannte Nummer.

Ich nahm ab. „Lena Richter.“

„Frau Richter? Hier spricht Herr Gruber, Ihr Nachbar vom Haus Ehrenstein.“

Herr Gruber war ein älterer, neugieriger Mann, der alles wusste, was in der Nachbarschaft geschah. Er war ein wandelndes Klatschblatt.

„Ja, Herr Gruber? Was kann ich für Sie tun?“

„Nun, ich wollte nur fragen… ist Ihr Bruder in Ordnung?“, sagte er. „Ich habe ihn vorhin im Rosengarten gesehen. Er hat da etwas vergraben.“

Mein Herz setzte einen Schlag aus. „Vergraben? Was denn?“

„Ich weiß nicht genau“, sagte Herr Gruber. „Ein kleines, zerbrochenes Amulett, sah es aus. So ein altes Familienerbstück, das Sie als Kind getragen haben, nicht wahr? Das, das Sie mal verloren haben?“

Ein eisiger Schauer lief mir über den Rücken. Das Amulett.

Ich erinnerte mich daran. Es war ein kleines Silberamulett mit einem eingravierten Ehrenstein-Wappen, das meine Großmutter mir geschenkt hatte. Ich hatte es als Kind getragen und es dann im Rosengarten verloren. Wir hatten es nie wieder gefunden.

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours