Chapter 12: Der vertuschte Beschwerdebrief

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Ermutigt durch Frau Meiers Informationen über den „grünen Ordner“ und Lenas Entdeckungen über Notar Grubers Abhängigkeit, wusste Dr. Nowak, dass sie nun einen anderen Weg finden musste, um an die tief vergrabenen Beweise zu gelangen. Sie konnte das Archiv nicht mehr direkt betreten, aber sie kannte jemanden, der ihr helfen konnte, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen: den pensionierten Krankenhausarchivar, Herrn Schuster.

Herr Schuster war ein mürrischer, aber prinzipientreuer alter Mann, der seine Jahrzehnte im Archiv verbracht hatte und die Klinik und ihre Geheimnisse besser kannte als jeder andere. Clara arrangierte ein diskretes Treffen in einem kleinen Café außerhalb des Klinikgeländes.

„Herr Schuster“, begann Clara, als sie sich ihm gegenübersetzte, „ich brauche Ihre Hilfe bei einer sehr delikaten Angelegenheit. Es geht um Konrad Bergmann.“

Der alte Archivar zuckte zusammen. „Bergmann? Der hat die Klinik geführt wie sein Privatbesitz. Was wollen Sie über den wissen?“

Clara erzählte ihm von Lenas Fall, von den manipulierten Dokumenten und den Gerüchten über Konrads Machenschaften vor 20 Jahren. Sie erwähnte den „grünen Ordner“ und die „medizinische Lüge“, von der Frau Meier gesprochen hatte.

Herr Schusters Augen verengten sich. „Der grüne Ordner… ja, daran erinnere ich mich. Der lag immer in seinem Chefschrank, gut verschlossen. Was da drin war, wusste keiner so genau.“

Er räusperte sich. „Aber es gab damals schon Unruhe. Nicht jeder war mit seinen Methoden einverstanden.“

„Ich brauche etwas Konkretes, Herr Schuster“, sagte Clara. „Einen Beweis, dass er damals schon manipuliert hat.“

Herr Schuster dachte lange nach, ein Nachdenken, das Jahre von Erinnerungen durchwühlte. Dann nickte er langsam.

„Es gab da mal einen Beschwerdebrief“, sagte er leise. „Von einem jungen Kollegen, Dr. Weber. Er war gut, wollte die Welt verändern. Und er hatte etwas gegen Bergmanns Methoden.“

„Dr. Weber beschuldigte Bergmann der Fälschung eines medizinischen Gutachtens“, fuhr Herr Schuster fort. „Es ging um einen reichen Patienten, dessen Erbschaft betroffen war.“

Clara spürte, wie ihr Herz raste. Das war es. Das war die „medizinische Lüge“, von der alle gesprochen hatten.

„Der Brief wurde damals vertuscht“, sagte Herr Schuster mit bitterem Unterton. „Bergmann hatte zu viel Macht. Dr. Weber wurde mundtot gemacht, musste die Klinik verlassen.“

„Wo ist dieser Brief jetzt?“, fragte Clara, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„In Bergmanns alter Personalakte“, erwiderte Herr Schuster. „Sie liegt noch im Archiv, in einem speziellen, versiegelten Bereich. Normalerweise kommt da niemand ran.“

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