Chapter 17: Der Kampf um die Wahrheit

#content-1

Ich betrat Konrads Arbeitszimmer. Die schwere Tür schloss sich hinter mir mit einem dumpfen Geräusch, das wie ein letzter Gong klang. Dort saßen sie: Konrad, Stefan, Katharina und Herr Gruber, der Notar. Konrad saß am Kopf des großen Mahagonitischs, ein selbstgefälliges Lächeln auf seinem Gesicht.

Er spielte den gebrechlichen Patriarchen, der sich nun „endlich um die Zukunft kümmern“ konnte. Stefan und Katharina blickten nervös zwischen Konrad und mir hin und her.

Herr Gruber saß mit gekreuzten Beinen da, seine Mappe auf dem Schoß, ein Lächeln spielte um seine Lippen. Er wirkte völlig entspannt, überzeugt von Konrads Sieg.

„Lena, meine Liebe“, begann Konrad, seine Stimme war sanft, fast schon süßlich. „Schön, dass du pünktlich bist. Wir wollten die abschließenden Details des Erbes klären.“

Er schob mir ein Exemplar der Dokumente über den Tisch, die ich unterschreiben sollte. „Deine Unterschrift ist nur noch eine Formalität, damit Leos Zukunft gesichert ist. Du erinnerst dich?“

Ich nahm die Dokumente nicht einmal in die Hand. Ich blickte Konrad direkt in die Augen, mein Blick war fest.

„Ich erinnere mich sehr gut, Konrad“, sagte ich. „Aber ich werde diese Dokumente nicht unterschreiben.“

Konrads Lächeln erstarrte. Stefan und Katharina zuckten zusammen. Herr Gruber hob eine Augenbraue.

„Wie bitte?“, fragte Konrad, seine Stimme verlor sofort ihren süßlichen Ton. „Lena, das ist doch Unsinn. Es geht um Leos Wohl!“

„Es geht um Kontrolle, Konrad“, erwiderte ich, meine Stimme war klar und bestimmt. „Es geht darum, Leos Erbe an sich zu reißen und mich zu entmündigen, genau wie du es schon vor 20 Jahren versucht hast.“

Ich öffnete meine Tasche und legte meine gesammelten Beweise auf den Tisch. Das alte Familienfoto, auf dem Konrad vital und gesund aussah, landete zuerst.

„Dein ‚Husten-Gesicht‘ war schon damals nicht zu sehen, Konrad“, sagte ich, während ich auf das Foto zeigte. „Leos unschuldige Beobachtung hat deine Inszenierung entlarvt.“

Konrads Gesicht lief rot an. „Was soll das?! Das ist eine bösartige Rufmordkampagne! Das ist lächerlich!“

Ich legte die Notiz meines Mannes mit den Worten „Bloß nicht, was Vater wollte“ auf den Tisch. „Mein Mann hat sich gegen deine medizinischen Entscheidungen gewehrt, Konrad. Schon damals.“

Die Augen von Stefan und Katharina waren weit aufgerissen. Sie blickten Konrad an, der immer wütender wurde.

Ich schob den vertuschten Beschwerdebrief von Dr. Weber nach vorne. „Dieser Brief beweist, wie du vor 20 Jahren medizinische Gutachten gefälscht hast, um die Erbschaft von Herrn Klaus Faber zu manipulieren.“

„Das sind Lügen!“, brüllte Konrad, er sprang auf, seine Faust knallte auf den Tisch. „Das sind alles Lügen! Eine Verschwörung gegen mich, einen verdienten Arzt!“

Stefan, sichtlich überfordert von der Last der Beweise und der Wut seines Vaters, brach zusammen. Er sank in seinen Stuhl zurück, sein Gesicht war kreidebleich.

„Nein, Vater!“, rief Stefan, seine Stimme brach. „Es sind keine Lügen! Ich… ich war damals Zeuge!“

Alle Augen richteten sich auf Stefan. Konrad blickte ihn mit mörderischem Blick an.

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours