Am nächsten Nachmittag, als die Uhr vier schlug, versammelten wir uns im Wohnzimmer von Haus Ehrenstein. Die Atmosphäre war elektrisierend, die Luft schwer und kalt. Helga und Jens saßen auf dem großen Sofa, ihre Gesichter waren blass und angespannt.
Herr Fischer saß ihnen gegenüber, seine Aktentasche lag auf dem Couchtisch. Eva und ich standen neben ihm, die Ehrenstein-Klausel und Elisabeths Tagebuch in unseren Händen.
Helga war aufgebracht. „Ich verstehe nicht, warum wir hier sind, Lena“, sagte sie, ihre Stimme war dünn. „Die Bank braucht Geld, keine Märchen.“
Jens saß still daneben, seine Augen wanderten nervös durch den Raum. Er schien die Spannung zu spüren, die in der Luft lag.
Während wir warteten, wurde die Atmosphäre immer dichter und kälter. Schatten tanzten an den Wänden, obwohl die Sonne durch die Fenster schien.
Ich spürte eine immense spirituelle Präsenz, die sich im Haus sammelte. Es war, als würde Elisabeth selbst auf die bevorstehende Enthüllung warten.
Das antike, von mir restaurierte Spiegelbildnis von Elisabeth von Ehrenstein in der Eingangshalle begann bedrohlich zu flimmern. Ich sah es aus dem Augenwinkel.
Es war das gleiche Bild, das mir schon einmal das Gesicht gezeigt hatte. Nun schien es intensiver, fast lebendig.
Ein kalter Windstoß fegte durch den Raum, obwohl alle Fenster geschlossen waren. Die Vorhänge flatterten leise.
Helga zuckte zusammen. „Was ist das?“, flüsterte sie, ihre Stimme war voller Angst.
Jens rückte näher an seine Mutter heran. Seine Augen waren weit, er sah das Flimmern im Spiegel.
Ich spürte, wie das Amulett in meiner Tasche pulsierte, es war heiß geworden. Es war ein direktes Signal, dass Elisabeths Geist sehr nah war.
„Das ist der Geist des Hauses, Mama“, sagte ich leise. „Er ist hier, weil der Pakt gebrochen wurde.“
Helga schüttelte den Kopf, ihre Augen waren voller Panik. „Das ist Unsinn! Das ist nur… nur ein alter Zugwind.“
Aber ihr Blick verriet, dass sie selbst nicht mehr an ihre eigenen Worte glaubte. Sie sah die Manifestationen, die sie so lange ignoriert hatte.
Herr Fischer räusperte sich. „Frau Richter, wir müssen jetzt ernsthaft über die Lage sprechen. Es geht um mehr als nur finanzielle Aspekte.“
Er versuchte, seine Stimme professionell klingen zu lassen, aber ich hörte die Angst in seinen Worten. Er hatte die Realität der übernatürlichen Kräfte im Haus Ehrenstein erkannt.
Ein leichtes Wispern erfüllte den Raum, kaum hörbar, aber unmissverständlich. Es schien aus den Wänden zu kommen, aus den Schatten.
Helga krallte sich an Jens’ Arm fest. Sie zitterte am ganzen Körper.
Ich sah, wie ein Schatten an der Wand der Diele vorbei huschte, so schnell, dass man ihn kaum fassen konnte. Es war wie eine dunkle Wolke, die sich im Haus bewegte.
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