Chapter 2: Der Notar und die heimlichen Pläne

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Ich konnte Anyas Worte hören, wie sie immer wieder in meinem Kopf nachhallten.

„Es war ein Demogerät, Leo! Deine Mutter hat mich in eine Falle gelockt!“

Ich sah sie an, wie sie mit roten Augen vor mir stand, die Hände hilflos erhoben. Ihre Verzweifnung war echt.

Ihr Gesicht war blass, kleine Fältchen hatten sich um ihre Mundwinkel gegraben, die ich vorher nie bemerkt hatte.

Ich wollte ihr glauben. Ich wollte sie in den Arm nehmen und ihr versichern, dass alles gut werden würde.

Doch Claras Gerüchte, ihre subtilen Andeutungen über Anyas angeblichen Wunsch, in die Familie einzuheiraten und von Heinz’ Vermögen zu profitieren, nagten an mir.

“Anya, ich… ich verstehe nur nicht, warum du nicht sofort gesagt hast, dass es ein Demogerät war”, sagte ich, meine Stimme war heiser.

Sie schüttelte den Kopf, Tränen stiegen ihr in die Augen.

“Ich habe es versucht! Du warst so wütend, Leo. Und dann ist deine Mutter dazwischengegangen und hat alles noch schlimmer gemacht.”

Ihr Blick huschte zu der Tür, als würde sie Claras Schatten immer noch sehen.

„Sie hat gelächelt, Leo. Ein kleines, fast unmerkliches Lächeln, als das rote Licht am Rollstuhl blinkte.”

Ich rieb mir die Schläfen.

Das Lächeln hatte ich nicht bemerkt. Ich hatte nur die Panik in Anyas Augen gesehen und Claras scheinheilige Besorgnis.

Anya sank auf das Sofa und vergrub ihr Gesicht in den Händen.

Ihre Schultern zuckten.

“Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll, Leo. Meine Praxis. Meine Reputation. Alle reden.”

Mein Magen zog sich zusammen.

Das war neu.

“Was ist los mit deiner Praxis?”, fragte ich und setzte mich neben sie.

Sie hob den Kopf, ihre Augen waren geschwollen.

“Einige meiner Patienten haben Termine abgesagt. Und ein Lieferant für neue medizinische Geräte hat den Vertrag gekündigt. Ohne Begründung.”

Ihre Stimme war leise, fast ein Flüstern.

„Sie haben gesagt, es gäbe „Bedenken bezüglich meiner Professionalität“.”

Mir stockte der Atem.

Das war kein Zufall.

Wer wusste von dem Vorfall außer uns?

Meine Mutter hatte die Geschichte sicherlich nicht für sich behalten.

Ich umfasste Anyas Hand. Sie war kalt.

“Ich werde das herausfinden, Anya”, versprach ich, mein Entschluss fasste sich fester.

Sie sah mich an, ein Funken Hoffnung in ihren Augen.

“Wirklich, Leo? Du glaubst mir?”

“Ich weiß es noch nicht”, gab ich zu, “aber ich will die Wahrheit.”

In den nächsten Tagen spionierte ich Clara fast schon. Es war widerlich.

Ich fühlte mich wie ein Verräter, aber etwas in mir sagte mir, dass ich es tun musste.

Clara war wie immer beschäftigt. Telefonate. Besuche. Geheimnisvolle Treffen.

Es war, als würde sie ein unsichtbares Netz um uns alle weben.

Ich bemerkte, wie sie auffallend oft das Haus verließ und mit ihrem Wagen zu einem unscheinbaren Bürogebäude in der Innenstadt fuhr.

Ein kleines Schild an der Tür verriet den Namen: “Notariat Brandt”.

Herr Brandt.

Ich erinnerte mich an den Namen.

Ein älterer Herr, stets makellos gekleidet, mit einem steifen Lächeln und Augen, die zu viel wussten. Er hatte schon oft “Familienangelegenheiten” für uns erledigt.

Aber noch nie so oft, so plötzlich, so geheimnisvoll.

Eines Nachmittags, als Clara mal wieder beim Notar war, rief ich Anyas Praxis an.

Ich stellte mich als potenzieller Patient vor, nur um zu hören, wie die Sprechstundenhilfe zögerlich erklärte, dass „Frau Schmidt gerade eine schwierige Phase durchmache“ und „einige Gerüchte im Umlauf seien“.

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