Chapter 2: Die Schlinge Zieht sich zu

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Die Tage nach Klaras Ankunft fühlten sich an wie ein feines, unsichtbares Netz, das sich langsam um mich legte. Es begann mit Kleinigkeiten, kaum spürbar, doch ich kannte die Zeichen nur zu gut. Nachrichten, die ich Konstantin per Boten sandte, blieben unbeantwortet.

Wenn ich ihm in den Gängen begegnete, huschte ein flüchtiger, fast abweisender Blick über sein Gesicht, bevor er sich wieder sammelte. Die herzlichen Umarmungen von Schwester Mathilde oder Bruder Jonas, die sonst den Tag erhellten, waren plötzlich nur noch knappe Nicken. Eine eisige Distanz hatte sich in die einst so vertraute Atmosphäre der Gemeinschaft geschlichen.

Ich versuchte, meine Gedanken zu ordnen, als ich eines Nachmittags durch den Obstgarten ging. Die knorrigen Apfelbäume warfen lange Schatten, doch in mir wuchs eine andere Art von Schatten. Ich hörte gedämpfte Stimmen aus der Richtung des Versammlungshauses.

Es war Klara, die mit einigen der älteren Schwestern sprach. Ihre Stimme war leise und tränend. Ich hielt mich im Schatten eines großen Birnbaums versteckt, spürte das raue Holz unter meinen Fingernägeln.

“Sie spricht von unsichtbaren Kräften”, hörte ich Klara schluchzen, ihre Stimme klang zerbrechlich und besorgt. “Von verborgenem Reichtum, der ihr zusteht.”

Eine ältere Schwester, deren Name mir entfallen war, murmelte etwas Beruhigendes.

“Es beunruhigt mich”, fuhr Klara fort. “Ich habe versucht, ihr zu helfen, aber sie sieht überall Feinde.”

Ein stechender Schmerz durchfuhr mich, schärfer als jeder Schnitt. Ich verstand jetzt. Klara streute nicht nur Gerüchte, sie säte ein Bild von mir als einer Frau, die ihren Geist verloren hatte.

Ich erinnerte mich an die strenge Haltung der Gemeinschaft gegenüber „geistigem Ungleichgewicht“. Solche Anschuldigungen waren nicht nur rufschädigend, sie drohten mit Isolation und gar einer erzwungenen “spirituellen Neu-Kalibrierung”, einem euphemistischen Begriff für eine Art internen Gefängnisaufenthalt. Mir wurde klar, dass diese Gerüchte sorgfältig platziert wurden, um Konstantins Vertrauen nicht nur zu untergraben, sondern mich als Bedrohung für die Harmonie der Gemeinschaft darzustellen.

Meine Hände ballten sich zu Fäusten, die Nägel gruben sich tief in meine Handflächen. Dieses war kein zufälliges Gerede mehr. Dies war ein kalkulierter Angriff.

Ich verließ den Obstgarten so lautlos, wie ich gekommen war. Mein Herz pochte unregelmäßig. Die Luft war kalt geworden, als würde der Herbst die Ankunft eines noch kälteren Winters ankündigen.

Ich musste vorsichtig sein, jede Bewegung abwägen. Klara spielte ein gefährliches Spiel, und sie nutzte meine Vergangenheit, meine “selbstgemachte” Außenseiterrolle in der Gemeinschaft, gegen mich aus.

Das Haus, das einst mein Zufluchtsort gewesen war, fühlte sich nun wie eine Falle an. Jeder Blick, jedes geflüsterte Wort konnte ein Pfeil sein. Ich begann, die Wege zu meiden, auf denen ich Klara und Benno begegnen konnte.

Ich suchte Konstantins Nähe nur noch in den offiziellen Stunden der Gebete oder bei den gemeinsamen Mahlzeiten, wo Klara ihre Angriffe subtiler gestalten musste. Selbst dann spürte ich ihre wachsamen Augen auf mir.

Eines Abends, als ich mich in mein Zimmer zurückzog, fand ich einen kleinen Zettel auf meinem Kopfkissen. Es war in Konstantins Handschrift verfasst, eine knappe Notiz: “Bitte triff mich morgen früh im Gartenhaus um die Angelegenheiten der Gemeinschaft zu besprechen.”

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