Chapter 2: Die stille Gegenoffensive

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Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und warmen Croissants hing in der Luft des kleinen Cafés im Prenzlauer Berg, als ich Leon gegenübersaß. Draußen zog das geschäftige Treiben des Sonntagmorgens an den großen Fenstern vorbei. Ich spürte, wie meine Schultern sich ein wenig entspannten.

Es war eine Erleichterung, endlich offen reden zu können.

Leon sah mich erwartungsvoll an.

„Sie hat also genau das getan, was wir erwartet haben“, sagte ich ruhig.

Ich nippte an meinem Cappuccino.

„Ja, und noch mehr“, erwiderte Leon. „Diese Aktion mit dem verpassten Sponsoring – das ist der klassische Ursula-Move. Dir die Schuld geben für ihre eigene fehlende Planung.“

Er schüttelte den Kopf.

„Sie dachte, sie hätte mich in der Falle“, fuhr ich fort. „Die 3.000 Euro für Sophie, der Geburtstag, und dann gleich das ‚Gemeinschaftsprojekt‘.“

Ich legte meine Hand auf den Tisch, die Handfläche nach oben.

„Aber die Falle war meine, nicht ihre.“

Leon runzelte die Stirn leicht. Er hatte meinen Plan im Groben gekannt, aber die Details hatten wir bisher nicht besprochen.

„Wie meinst du das?“, fragte er.

Ich lehnte mich vor und blickte ihm direkt in die Augen.

„Erinnerst du dich an die Diskussion vor Monaten, als ich das erste Mal über ihre ‚Investitionen‘ nachdachte und du mir geraten hast, alles genau zu dokumentieren?“

Leon nickte langsam.

„Ich habe deinen Rat befolgt. Nur… ich habe ihn erweitert.“

Ein kleines Lächeln huschte über mein Gesicht.

„Ich habe nicht einfach nur dokumentiert. Ich habe den ‚Weber-Fonds für Gemeinschaftsprojekte‘ gegründet.“

Leon blinzelte.

„Den… was? Clara, wovon redest du?“

Ich erklärte es ihm ausführlicher.

„Einige Wochen nachdem ich erfahren hatte, dass ich schwanger bin, habe ich ein separates juristisches Konstrukt geschaffen. Eine Art Treuhandfonds, offiziell als gemeinnütziges Projekt getarnt, um genau diese Art von ‚Familieninvestitionen‘ zu verwalten.“

Ich hatte damals das Gefühl, dass Ursulas Forderungen mit der Geburt von Sophie nur noch schlimmer werden würden. Die Vorstellung, dass sie meine Tochter als Vorwand benutzen würde, um mich finanziell auszuquetschen, hatte mir den Magen umgedreht.

Es war ein Schritt, der mich Überwindung gekostet hatte. Jahrelang hatte ich einfach gezahlt, geschluckt und gehofft, dass es aufhören würde. Aber Sophies Geburt hatte etwas in mir verändert. Ich konnte nicht mehr die alte Clara sein, die sich von Ursula herumschubsen ließ. Nicht, wenn es um das Wohlergehen meiner Tochter ging.

„Jede einzelne der ‚obligatorischen Startkapital‘-Zahlungen, die sie in den letzten Monaten gefordert hat – für das neue ‚Stadtteilverschönerungsprojekt‘, für die ‚Familienunterstützung‘, für die Renovierung ihrer Wohnung, die sie als ‚Projektbüro‘ ausgegeben hat – all das ging nicht direkt an sie.“

Ich sah Leons Augen größer werden.

„Es ging auf dieses Konto. Den Weber-Fonds.“

„Du hast… du hast die Gelder umgeleitet?“, fragte er fassungslos.

„Genau. Alle von Ursulas Forderungen, inklusive der letzten 3.000 Euro, wurden auf dieses Konto überwiesen. Ich habe ihr die Überweisungsbestätigungen geschickt, damit sie keinen Verdacht schöpft. Und der Fonds hat das Geld dann… sagen wir, auf einer Art Parkkonto geparkt.“

Ich wusste, dass es riskant war, aber es war der einzige Weg, eine Spur zu legen, ohne sofort einen direkten Konflikt zu provozieren, den ich damals noch scheute.

„Ein Parkkonto?“, wiederholte Leon.

„Ja. Von dem aus die Gelder für die angeblichen ‚Gemeinschaftsprojekte‘ abgezweigt wurden, um alle von Ursulas Handlungen nachvollziehbar zu machen.“

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