Chapter 3: Die kalte Gegenklage

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Die Visitenkarte von Herrn Fischer lag noch immer auf meinem Nachttisch, als ich am nächsten Morgen aufwachte. Frau Schmidts Worte hatten mir in der Nacht einen unruhigen Schlaf beschert, doch es war eine Unruhe, die von neuem Entschluss genährt wurde. Ich musste handeln. Für Mia, für mich. Ich nahm mein Telefon und wählte die Nummer. Ein kurzes Klingeln, dann meldete sich eine freundliche Sekretärin.

„Kanzlei Fischer, guten Morgen.“

Ich erklärte mein Anliegen mit zitternder Stimme, versuchte, die Details knapp zu halten. Die Sekretärin hörte geduldig zu und bot mir einen Termin für den nächsten Tag an. Ich fühlte eine Mischung aus Erleichterung und erneuter Angst. Der erste Schritt war getan.

Am nächsten Morgen zog ich mich so ordentlich wie möglich an, obwohl ich wusste, dass mein Äußeres nicht meine innere Zerrissenheit verbergen konnte. Mia ließ ich bei meiner Freundin, die mir schon seit Tagen eine unglaubliche Stütze war. Die Fahrt zur Kanzlei von Herrn Fischer war von beklemmender Stille erfüllt. Ich spielte immer wieder die Videoaufnahmen in meinem Kopf ab, die meine Eltern für immer in ein anderes Licht gerückt hatten.

Herr Fischers Büro war hell und modern, aber nicht steril. Bücherregale reichten bis zur Decke, und ein großer Schreibtisch dominierte den Raum. Herr Fischer selbst war ein Mann mittleren Alters mit einem ernsten, aber freundlichen Blick und einem Händedruck, der Vertrauen vermittelte.

„Frau Weber, schön, dass Sie den Weg zu mir gefunden haben“, sagte er, während er mir einen Platz anbot. „Frau Schmidt hat mir bereits kurz von Ihnen erzählt. Sie hat Sie sehr ans Herz gelegt.“

Das war gut. Frau Schmidts Empfehlung schien Gewicht zu haben. Ich setzte mich, meine Hände fest ineinander verschränkt.

„Ich… ich weiß nicht, wo ich anfangen soll“, sagte ich, meine Stimme kaum hörbar.

Herr Fischer nickte verständnisvoll. „Fangen Sie einfach dort an, wo es für Sie am wichtigsten ist. Wir haben Zeit.“

Ich holte tief Luft und begann zu erzählen. Ich sprach von der „Mietforderung“, von der Hypothek, die ich seit Jahren zahlte, von der Weigerung, den Treuhandvertrag zu unterzeichnen, der mich enteignet hätte. Dann, mit klopfendem Herzen, erzählte ich von dem Abend, als mein Vater mich geschlagen hatte, während Mia im Raum war. Ich überreichte ihm mein Handy, auf dem die Videoaufnahmen gespeichert waren.

Herr Fischer nahm das Handy entgegen und sah sich die Aufnahmen aufmerksam an. Sein Gesicht, das zuvor ruhig gewesen war, verhärtete sich zusehends. Ich sah, wie seine Kiefermuskeln zuckten, als mein Vater im Video ausrastete und auf mich einschlug. Er spulte zurück, sah es sich noch einmal an. Die rohe Gewalt, die Gleichgültigkeit meiner Mutter im Hintergrund, die Angst in meinen Augen – alles war festgehalten.

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