Dr. Ethan Richter versuchte, mich für verrückt zu erklären, aber ich enthüllte sein dunkles Erbe in den Richter-Kliniken
Meine neue Wohnung im Lehel war klein, aber lichtdurchflutet und ruhig. Ich stellte meinen alten Koffer neben das Bett und ließ mich auf die schmale Matratze fallen, die ich günstig von einem Vormieter übernommen hatte. Das Chaos von Umzugskartons und unausgepackten Habseligkeiten spiegelte meine innere Zerrissenheit wider.
Ein paar Tage später packte ich das alte Ledger aus, das ich aus Ethans Villa mitgenommen hatte. Seine Einband aus abgenutztem Leder knarrte leise, als ich es auf den kleinen Küchentisch legte, der nun auch als mein Schreibtisch diente. Ich schlug die erste Seite auf.
Die Schrift war kompliziert, elegant, aber schwer zu entziffern, eine alte deutsche Kurrentschrift, die Opa Karl offensichtlich genutzt hatte. Ich erkannte medizinische Fachbegriffe, viele Zahlenkolonnen und kryptische Abkürzungen. Es war ein Buch, das nicht für ungeschulte Augen gedacht war.
Ich blätterte vorsichtig durch die Seiten, meine Finger fuhren über das vergilbte Papier. Die Einträge schienen sich über Jahrzehnte zu erstrecken und zeugten von einer detaillierten, aber undurchsichtigen Buchführung. Ich hatte das Gefühl, einen fremden, komplexen Code zu studieren.
Während ich mich bemühte, die Einträge zu verstehen, spürte ich, wie die alten Zweifel, die Ethan so geschickt in mir gesät hatte, langsam wieder aufstiegen. Seine Stimme hallte in meinem Kopf wider, wie er meine Bedenken als „überzogene“ oder „stressbedingte“ Reaktionen abgetan hatte.
Er hatte meine Intuition und meine Emotionen immer wieder als Zeichen meiner „künstlerischen Sensibilität“ abgetan, was in seiner Welt gleichbedeutend mit „nicht ganz rational“ war. Es war eine perfide Art der Manipulation, die mich an meiner eigenen Wahrnehmung zweifeln ließ.
Ich hatte in den letzten Tagen unzählige Nachrichten von besorgten Freunden erhalten, die sich nach meinem Befinden erkundigten. Viele von ihnen waren gemeinsame Bekannte von Ethan und mir. Ihre Worte waren freundlich, doch zwischen den Zeilen spürte ich eine gewisse Skepsis, ein vages Unbehagen, das ich nicht sofort zuordnen konnte.
Ich ahnte nicht, dass Ethan zu dieser Zeit bereits aktiv meine Glaubwürdigkeit untergrub. Er hatte sich mit Leo Brandt, seinem besten Freund, in der „Haifischbar“, einer gediegenen Männerkneipe in der Innenstadt, getroffen. Bei einem Glas Wein erzählte er Leo von Avas „psychischer Instabilität“.
“Ava war schon immer etwas speziell, weißt du?”, sagte Ethan mit einem gequälten Lächeln, das eher Mitleid als Sorge ausdrückte. Leo nickte, er war loyal, aber nicht blind.
“Der ganze Stress mit ihrer Kunst, diese Projekte, die sie so beanspruchen. Ich mache mir wirklich Sorgen um sie”, fuhr Ethan fort, seine Stimme klang besorgt. Leo hörte zu, wie Ethan Avas “psychische Instabilität” auf den “Stress” ihrer Künstlerexistenz schob. Ethan legte seine Hand auf Leos Arm.
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