Der Plan war riskant, aber alternativlos. Richters Büro befand sich im Hauptgebäude der Gemeinschaft, nur einen Steinwurf von seinen Privaträumen entfernt. Wir mussten in der Toten der Nacht handeln, wenn die meisten Mitglieder schliefen und Richters übliche Wachsamkeit nachließ.
Herr Klaus hatte einen Generalschlüssel, da er für die Instandhaltung der Gebäude zuständig war. Sein Gesicht war eine Maske der Anspannung, als wir uns Stunden später im dichten Schatten der Nacht dem Gebäude näherten. Der Mond versteckte sich hinter dichten Wolken, was uns zusätzliche Deckung bot.
Das Schloss klickte leise, fast unhörbar, als Herr Klaus den Schlüssel drehte. Ein kalter Luftzug umfing uns, als wir Richters Büro betraten. Der Raum war dunkel, nur schwaches Licht drang von draußen durch die Jalousien und zeichnete lange Schatten auf den Boden. Ich spürte, wie mein Herz bis zum Hals schlug.
Der Raum roch nach altem Papier, Leder und einem Hauch von Weihrauch, Richters persönlichem Geruch. Ich hatte das Gefühl, seine Anwesenheit noch immer zu spüren, obwohl er nicht da war. Jeder Schritt auf dem alten Teppich schien unerträglich laut.
Wir begannen mit der Suche. Herr Klaus konzentrierte sich auf die Aktenschränke, während ich mich Richters großem Schreibtisch widmete. Er war makellos aufgeräumt, nur ein Kalender und ein Lederblock lagen darauf. Nichts Verdächtiges auf den ersten Blick.
Die Schränke enthielten alte Unterlagen: Protokolle von Gemeindeversammlungen aus den Anfangsjahren, Baupläne der ersten Gebäude. Alles schien harmlos, sogar langweilig.
“Nichts hier”, flüsterte Herr Klaus, seine Stimme war voller Enttäuschung. “Nur die Geschichte unserer Gemeinschaft, die wir alle kennen.”
Meine Hoffnung begann zu schwinden, doch etwas am Schreibtisch zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Der Lederblock lag nicht ganz flach auf der Oberfläche. Ich hob ihn an. Darunter befand sich eine kleine, kunstvoll geschnitzte Holzplatte, die perfekt in die Schreibtischplatte eingelassen war. Es war keine einfache Verzierung.
Ich tastete an den Rändern, spürte eine leichte Unebenheit an einer Seite. Mit einem Fingernagel versuchte ich, die Platte anzuheben. Sie gab nach. Dahinter verbarg sich ein kleines, flaches Fach. Der Herzschlag pochte in meinen Ohren.
Ein kleines, messingfarbenes Schloss war in das Holz eingelassen, kaum sichtbar. Richter war noch vorsichtiger, als ich gedacht hatte. Herr Klaus kam näher, seine Augen weiteten sich, als er das versteckte Fach sah.
“Er hat tatsächlich etwas zu verbergen”, murmelte er.
Ich schob das kleine Schloss zur Seite. Es war nicht einmal verschlossen. Vielleicht war es nur eine Attrappe, um Neugierige abzuschrecken. Vorsichtig zog ich die Platte heraus.
Darin lag ein einziges, kleines Notizbuch mit einem festen Ledereinband. Es sah alt aus, seine Seiten waren leicht vergilbt. Doch als ich es öffnete, fand ich es… komplett leer. Keine einzige Notiz, kein Name, keine Zahlen. Nichts.
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