Lehmann-Zwillinge entlarven reiche Nachbarin: Wettbewerbssieg deckt 13 Jahre alte Familienintrige auf
Der Druck der Schmierkampagne war erdrückend. In der Schule fühlten sich Leo und ich wie Aussätzige. Flüstern begleitete uns auf den Gängen. Ich spürte die Blicke, die auf mir lasteten, die Mischung aus Neugier und Abscheu.
“Betrüger!”, rief jemand von hinten, als wir unsere Spinde öffneten.
Leos Faust ballte sich. “Lass es, Leo”, sagte ich leise. “Das ist genau, was sie wollen.”
Maximilian Richter, Viktorias Sohn, ging nicht mehr an uns vorbei, ohne einen abfälligen Kommentar zu machen. Er stieß mich einmal beinahe um, als ich aus dem Klassenraum kam.
“Na, Lehmann”, spottete er. “Endlich im Rampenlicht, was? Zu blöd, dass alle wissen, wie ihr es geschafft habt.” Er grinste hämisch, seine Augen blitzten.
Ich blickte ihm ruhig ins Gesicht. “Wenigstens wissen wir, wie wir es geschafft haben. Durch Arbeit. Nicht durch Vitamin B.”
Maximilians Gesicht verzog sich. Er schien kurz überrascht, dann schlug er mit der Hand gegen den Spind neben mir. Ein dumpfer Schlag hallte durch den Gang.
“Du wirst schon sehen”, sagte er drohend. “Deine Mutter und du, ihr werdet dafür bezahlen.”
Ich achtete auf jede Bewegung, jedes Wort von Maximilian. Schon vor dem Wettbewerb hatte er eine ungewöhnliche Selbstsicherheit ausgestrahlt. Er hatte immer geprahlt, er wüsste, was drankommen würde, und schien sich nie wirklich Sorgen zu machen. Ich hatte das damals als seine übliche Arroganz abgetan. Doch jetzt, im Licht des Ehevertrags und Annas Andeutungen, bekam seine damalige Gewissheit eine ganz neue Bedeutung.
“Er wusste Bescheid”, sagte ich zu Leo, als wir in der Schulcafeteria saßen und unser Essen kaum anrührten. “Er wusste, was im Wettbewerb kommen würde. Nicht alles, aber genug.”
“Wie soll das gehen?”, fragte Leo. “Die Aufgaben waren streng geheim.”
“Genau”, erwiderte ich. “Aber Viktoria ist eine Frau, die keine Zufälle dem Schicksal überlässt. Sie kontrolliert alles. Sie manipuliert alles.”
Ich begann, meine Theorie zu testen. Ich erinnerte mich an die Jury. Eine Frau, Dr. Helene Sommer, hatte ich vor dem Wettbewerb mit Viktoria im Gespräch gesehen. Eine kurze, aber intensive Unterhaltung. Damals hatte ich es für ein Zufallstreffen gehalten.
Ich nutzte die Zeit nach der Schule. Statt direkt nach Hause zu gehen, begann ich, Viktorias Villa diskret zu beobachten. Ich hatte das Glück, dass ihr Haus und unser altes Mietshaus, in dem wir jetzt lebten, nicht weit voneinander entfernt waren. Die Straßen waren belebt, und ich konnte mich unauffällig in der Nähe aufhalten, oft mit einem Buch in der Hand, als würde ich auf den Bus warten.
Zwei Tage lang sah ich nichts Ungewöhnliches. Nur Viktorias luxuriöser Wagen, der ein- und ausfuhr, Lieferanten, Gärtner. Aber am dritten Tag, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, als die meisten Leute von der Arbeit nach Hause kamen, bemerkte ich einen Wagen, der vor Viktorias Grundstück anhielt. Es war ein dunkler Mercedes, der Frau Sommer gehörte. Ich hatte ihr Gesicht auf den Wettbewerbsunterlagen gesehen.
Mein Herz pochte. Frau Sommer stieg aus, eine elegante Frau mittleren Alters, und trug eine große, undurchsichtige Aktentasche. Sie wurde sofort von Viktorias Personal ins Haus gelassen. Eine Stunde später kam sie wieder heraus. Diesmal hatte sie nur eine kleine, flache Mappe dabei, die sie unter dem Arm trug, als wäre sie unwichtig. Aber ich sah, wie sie sich verstohlen umsah, bevor sie ins Auto stieg.
Ich fühlte einen kalten Schauer. Das war es. Das war der Maulwurf.
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