Chapter 4: Anyas eigene Ermittlungen

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Die Erkenntnis, dass unsere Kommunikation systematisch manipuliert worden war, schlug bei Anya noch tiefer ein, als ich erwartet hatte.

Zuerst war da die Wut, ein rotes Glühen in ihren Augen, als sie die manipulierten Nachrichten noch einmal las.

Dann kam die Erleichterung, ein leises Ausatmen, das die Last wochenlanger Missverständnisse von ihren Schultern nahm.

“Ich hätte es wissen müssen”, sagte Anya, ihre Stimme war belegt. “Dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt, hat mich fast verrückt gemacht.”

Ich nickte. Ich kannte das Gefühl.

“Wir sind uns nähergekommen, Leo”, sagte sie, ein schwaches Lächeln huschte über ihr Gesicht. “Gerade durch diese Hölle, die sie uns bereitet hat.”

Ich zog sie in meine Arme.

“Das stimmt. Und jetzt müssen wir uns auf das konzentrieren, was als Nächstes kommt.”

Anya löste sich von mir, ihre Augen waren wieder ernst.

“Ich habe das Gefühl gehabt, dass deine Mutter mich seit Wochen beobachtet hat, Leo. Dieses spürbare Misstrauen, diese kalten Blicke, wann immer ich Heinz besucht habe.”

Ich erinnerte mich an die vielen kleinen Momente, in denen Clara sich ungewöhnlich verhalten hatte.

Ihr plötzliches Erscheinen, wenn Anya und ich uns unterhielten.

Ihre Fragen, die scheinbar beiläufig waren, aber immer auf unsere Beziehung abzielten.

“Ich habe versucht, es mir einzureden, dass es nur meine Paranoia war”, fuhr Anya fort. “Aber es war mehr. Viel mehr.”

Sie ging zu einem Regal in ihrem Wohnzimmer und holte einen dicken Ordner hervor.

“Ich habe aus eigener Initiative ein paar Nachforschungen angestellt. Lange bevor ich wusste, dass du mir glaubst.”

Ich sah sie überrascht an.

“Was hast du gefunden?”

Sie legte den Ordner auf den Tisch und öffnete ihn.

Darin waren sorgfältig abgeheftete Ausdrucke und handschriftliche Notizen.

“Ich habe angefangen, Claras Finanzgeschäfte zu verfolgen, so gut es ging”, erklärte sie. “Ich hatte einen komischen Verdacht, als ich gesehen habe, wie sie einmal telefoniert hat.”

Sie zeigte auf eine Seite.

“Hier. Ich habe gehört, wie sie mit jemandem über ‘gewinnbringende Investitionen’ sprach, die ‘schnell getätigt werden müssen’.”

Das war ein Alarmzeichen.

Clara war nie eine Person, die sich mit risikoreichen Investitionen auskannte.

“Ich habe dann die öffentlich zugänglichen Informationen über die Richter Holding überprüft”, fuhr Anya fort. “Und die Kontoauszüge von Heinz, die ich einmal bei einem Termin für seine Steuern gesehen hatte, als ich ihm geholfen habe.”

Sie reichte mir einen Ausdruck.

“Das hier ist eine Reihe von Überweisungen von Heinz’ Konto auf ein anderes Konto, das unter Claras Namen läuft.”

Ich nahm das Blatt entgegen. Die Daten stimmten.

Zehntausende Euro.

Nicht als Geschenk, nicht als monatliche Zahlung, sondern als unregelmäßige, hohe Beträge.

“Aber das sind doch sicherlich nur interne Familienüberweisungen, oder?”, fragte ich, meine Stimme war unsicher. “Für Rechnungen oder so etwas.”

Anya schüttelte den Kopf.

“Nicht, wenn sie als ‘Investitionskapital’ deklariert sind. Und nicht, wenn der Empfänger ein Konto ist, das mit einer obskuren Briefkastenfirma in Verbindung steht.”

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