Chapter 4: Der Anruf des Reuemütigen

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Ich saß am Küchentisch und überflog die neuesten Artikel über Dr. Eva Brandl – natürlich alle lobend, alle ihren makellosen Ruf bestätigend. Es war eine zynische Erinnerung an die Macht, die sie besaß. Mein Handy, das neben einer Tasse Kräutertee lag, vibrierte plötzlich.

Eine unbekannte Nummer. Ich zögerte.

Normalerweise ignorierte ich Anrufe von unbekannten Nummern, besonders in diesen Tagen, in denen ich unter ständiger Beobachtung stand. Doch irgendetwas sagte mir, ich solle abheben. Ein Gefühl, das ich nicht erklären konnte, drängte mich dazu.

Ich nahm den Anruf an. „Hallo?”

Am anderen Ende war ein Mann, seine Stimme war gepresst und nervös. Er sprach leise, fast gehetzt.

„Sind Sie Lena Richter?”

Mein Herz schlug schneller. „Wer sind Sie?”, fragte ich, meine Stimme war angespannt.

„Mein Name ist Jens Müller”, sagte er. „Ich war Eva Brandls persönlicher Assistent. Ich … ich muss mit Ihnen sprechen. Es ist wichtig.”

Der Name Jens Müller! Er war derjenige, der in den Klatschspalten immer als Evas rechte Hand beschrieben wurde. Der Mann, der stets im Hintergrund lächelte, wenn Eva ihre Auftritte hatte. Ich erinnerte mich an sein Gesicht von Fotos, ein junger Mann mit ehrgeizigem Blick. Was wollte er von mir?

Ein Schauder lief mir über den Rücken. War dies eine weitere Falle von Eva? Ein Versuch, mich in eine noch schlimmere Lage zu bringen? Ich traute dem Anrufer nicht, doch gleichzeitig war meine Neugier geweckt.

„Wie haben Sie meine Nummer bekommen?”, fragte ich misstrauisch.

Er zögerte kurz. „Das ist kompliziert. Ich kann es am Telefon nicht erklären. Aber ich muss es Ihnen erzählen, Frau Richter. Es geht um Ihre E-Mail. Und um mich.”

Meine E-Mail. Der anonyme Hinweis, der mein Leben auf den Kopf gestellt hatte. Plötzlich schien die Luft in meiner Küche dünner zu werden. Die Möglichkeit, dass er etwas wusste, das mir helfen könnte, war unwiderstehlich.

„Ich glaube, ich habe einen Fehler gemacht”, sagte er leise, seine Stimme war voller Reue. „Einen großen Fehler, der Sie in diese Lage gebracht hat. Ich muss das wiedergutmachen.”

Ein Fehler? Was für ein Fehler? War er derjenige, der meine Anonymität durchbrochen hatte? Der Gedanke war empörend, doch seine Stimme klang ehrlich. Die Verzweiflung, die ich in seiner Stimme hörte, wirkte echt.

„Was meinen Sie mit Fehler?”, fragte ich, meine Stimme war immer noch kühl, doch mein Interesse war geweckt.

Er seufzte hörbar. „Eva hat mich damals angewiesen, nach ‚Lecks’ in ihrem System zu suchen. Sie war paranoid, dass jemand Informationen über sie weitergab. Ich sollte auf ihrem Computer nach E-Mails scannen, die verdächtig aussahen, auch wenn ich mich dafür in ihre Accounts einloggen musste.”

Ich erstarrte. Er hatte sich in Evas Accounts eingeloggt? Und meine E-Mail gefunden? Das war die Erklärung, wie Eva meine Anonymität durchbrochen hatte. Nicht Schmidt allein, sondern eine interne Sabotage.

„Sie hat mich gebeten, alle E-Mails zu fälschen, die von externen Quellen stammen könnten, um sie dann in ihrem System zu überprüfen”, erklärte Jens weiter. „Eine Art ‚Honeypot’, wie sie es nannte. Ich dachte, ich würde ihr helfen, ein Leck zu finden.”

Er hatte meine E-Mail-Adresse nachgebildet, um sie in Evas System zu suchen, falls ich sie von Evas eigenem Computer aus geschickt hätte. Aber er hatte dabei eine Kopie meines tatsächlichen, anonymen Hinweises entdeckt. Ein fataler Fehler.

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