Chapter 4: Der erste Steinwurf

#content-1

Die Agentur summte vor Energie. Wir hatten es geschafft: Meine Digitalagentur, ‚Clara Digital‘, hatte den Zuschlag für die Entwicklung der neuen Tourismus-Website für Berlin erhalten. Es war ein wichtiger, hochkarätiger städtischer Auftrag, der uns auf eine ganz neue Ebene heben würde.

„Herzlichen Glückwunsch, Chefin!“, rief Sandra Meier, meine Assistentin, als sie mit einer Flasche Sekt und Pappbechern in mein Büro stürmte.

Ich lachte und nahm einen Becher.

„Das haben wir alle zusammen geschafft, Sandra. Ihr wart großartig.“

Mein kleines Team, bestehend aus drei Entwicklern und zwei Designern, stieß im Konferenzraum auf unseren Erfolg an. Ich blickte in die glücklichen Gesichter. Es war der Höhepunkt monatelanger harter Arbeit und schlafloser Nächte. Dieser Auftrag bedeutete Stabilität, Wachstum und vor allem: Anerkennung. Eine Anerkennung, die ich mir ganz alleine erarbeitet hatte, weit weg von Ursulas Schatten.

Ein paar Tage später saß ich mit Sandra bei einem späten Mittagessen. Wir besprachen die ersten Schritte für das Berlin-Projekt.

„Clara, ich muss dich etwas fragen“, sagte Sandra zögernd, als sie ihren Salat zur Seite schob.

Ich sah sie fragend an. Sandra war normalerweise sehr direkt.

„Ich habe in den letzten Tagen ein paar… seltsame Dinge mitbekommen“, fuhr sie fort. „In Online-Communitys, aber auch in Gesprächen mit Leuten, die ich über unser Projekt kontaktiert habe.“

„Was für Dinge?“, fragte ich, und mein Magen zog sich leicht zusammen. Ich hatte Leons Warnungen im Hinterkopf.

„Es geht um dich. Oder besser gesagt, um deine Agentur. Gerüchte.“

Sandra zögerte. Sie wollte mich offensichtlich nicht beunruhigen.

„Sprich es aus, Sandra. Das ist wichtig.“

„Es sind so vage Andeutungen über ‚fragwürdige Geschäftsführung‘. Und ‚dubiosen Machenschaften‘. Leute fragen, ob die Gelder für unsere Projekte wirklich dort ankommen, wo sie sollen.“

Sie sprach leiser, fast flüsternd.

„Es wurde auch dieser ‚Gemeinschaftsprojekt-Fonds‘ erwähnt. Man fragt, wie transparent das alles ist.“

Mein Griff um mein Glas verfestigte sich. Ursula war in Aktion getreten. Schneller, als ich es erwartet hatte. Die Gerüchte zielten direkt auf den Weber-Fonds ab, den ich als Falle für sie eingerichtet hatte. Sie hatte anscheinend genug Informationen, um die Namen zu kennen, aber nicht die wahren Zusammenhänge.

„Wer verbreitet das? Hast du eine Ahnung?“, fragte ich.

Sandra zuckte mit den Schultern.

„Nicht direkt. Es sind Kommentare unter lokalen News-Artikeln, Posts in Nachbarschaftsgruppen auf Facebook, aber auch E-Mails, die anscheinend von anonymen Konten an lokale Blogger und Medien geschickt wurden.“

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours