Die Gerüchte blieben nicht vage. Innerhalb weniger Tage eskalierte Ursulas Kampagne von subtilen Andeutungen zu gezielten Angriffen. Anonyme Anrufe gingen bei lokalen Radiosendern ein, und E-Mails, die sich als „Hinweise aus besorgter Bürgerschaft“ tarnten, landeten in den Postfächern der Lokalredaktionen.
Ich saß in meinem Büro, als Sandra mir einen Ausdruck des neuesten Artikels eines kleinen Online-Magazins vorlegte. Die Überschrift lautete: „Fragen zur Transparenz: Trübe Finanzquellen hinter Berlins neuem Webauftritt?“
Der Artikel zitierte anonyme Quellen, die von „undurchsichtigen Finanzstrukturen“ und einem „scheinbaren ‚Gemeinschaftsprojekt-Fonds‘“ sprachen, der in Verbindung mit meiner Agentur stehe. Er unterstellte, meine Agentur nutze fragwürdige Methoden, um an öffentliche Aufträge zu gelangen, und suggerierte eine Nähe zu Lokalpolitikern, die nicht „im Sinne der Bürger“ sei. Der Name Herr Schmidt wurde beiläufig erwähnt.
„Das ist ein direkter Angriff auf unseren Berlin-Auftrag“, sagte Sandra, ihre Stimme zitterte leicht. „Ich habe bereits eine E-Mail vom Projektleiter der Stadt bekommen. Er fragt nach einer ‚dringenden Klärung‘.“
Mein Blick glitt über die Zeilen. Ursulas Handschrift war unverkennbar. Sie präsentierte sich in diesen anonymen Hinweisen als „besorgte Mutter, die nur das Beste für die Gemeinde wolle“, und insinuierte, sie sei selbst Opfer meiner angeblich „unethischen Geschäftspraktiken“. Das war der Gipfel der Heuchelei. Der Twist war hier, dass sie mein eigenes Schutzinstrument – den Weber-Fonds – gegen mich auszuspielen versuchte, indem sie es als unseriös darstellte.
Ich spürte, wie mein Puls pochte, aber ich zwang mich zur Ruhe. Panik war genau das, was Ursula wollte.
„Clara, wir müssen etwas tun“, drängte Sandra. „Eine Presseerklärung? Eine Gegendarstellung?“
Ich schüttelte den Kopf.
„Nein, Sandra. Das würde alles nur noch schlimmer machen. Wir würden uns verteidigen müssen, und das würde den Gerüchten nur mehr Gewicht verleihen.“
Ich wusste, dass jede öffentliche Verteidigung die Gerüchte nur nähren und die Schlagzeilen länger am Leben erhalten würde. Meine strategische Ruhe war jetzt entscheidend.
„Aber wir können doch nicht einfach untätig bleiben!“, rief Sandra aus. „Der Ruf der Agentur steht auf dem Spiel! Und der Auftrag!“
Ich sah sie an.
„Wir bleiben nicht untätig. Wir warten auf den richtigen Moment. Und wir sammeln Beweise.“
In diesem Moment rief Leon an. Ich bat Sandra, uns allein zu lassen.
„Ich habe die Artikel gesehen“, sagte er sofort. Seine Stimme war ruhig, aber ich hörte die Anspannung. „Sie eskaliert. Genau wie erwartet.“
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