Ich war noch immer benommen von meinem Besuch im Haus Ehrenstein, als mein Telefon vibrierte. Eine unbekannte Nummer erschien auf dem Display. Ich zögerte, nahm dann aber ab, da meine Nerven ohnehin blank lagen.
„Lena Richter? Hier spricht Dr. Eva Klein.“
Die Stimme am anderen Ende war klar und professionell. Ich kannte den Namen nicht.
„Ja, das bin ich“, antwortete ich vorsichtig. „Worum geht es?“
„Ich bin investigative Journalistin“, erklärte sie. „Ich forsche seit einiger Zeit an regionaler Folklore und unerklärlichen Phänomenen in der Gegend um Ihr Anwesen, Haus Ehrenstein.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Eine Journalistin? Und sie wusste von Haus Ehrenstein?
„Unerklärliche Phänomene?“, wiederholte ich, meine Stimme war überraschend fest. „Was wissen Sie darüber?“
„Nun, die Gerüchteküche brodelt, Frau Richter“, sagte Eva Klein, ihre Stimme wurde etwas sanfter. „Ich verfolge die Geschichte von Haus Ehrenstein schon seit acht Monaten. Es gibt da alte Legenden, die plötzlich wieder an Aktualität gewinnen scheinen.“
Ich dachte an die Mikrofilme im Stadtarchiv, an die Geschichten über Elisabeth von Ehrenstein. Hatte sie ähnliche Dinge gefunden?
„Ich habe von den jüngsten ,Vorfällen‘ gehört“, fuhr sie fort. „Der Bankrott Ihres Bruders, die plötzlichen Zahlungsunfähigkeiten Ihres Hauses, die Geschichten von… nun ja, seltsamen Ereignissen.“
Die Art, wie sie sprach, verriet, dass sie mehr wusste, als sie zugab. Sie klang nicht sensationsgierig, sondern aufrichtig interessiert, fast wissenschaftlich.
„Wer hat Ihnen das erzählt?“, fragte ich misstrauisch. Hatte meine Mutter schon wieder über mich geredet, mich in einem schlechten Licht dargestellt?
„Mein Netzwerk ist umfangreich, Frau Richter“, wich sie aus. „Ich habe Informanten in der Lokalverwaltung, bei der Bank und auch in der Nachbarschaft. Es ist meine Aufgabe, Puzzleteile zusammenzufügen.“
Sie machte eine kurze Pause. „Ich muss Ihnen sagen, die Details, die ich gehört habe, decken sich auffällig mit alten Erzählungen über das Anwesen. Es scheint, als würde sich die Geschichte wiederholen.“
Die Bemerkung über die sich wiederholende Geschichte ließ mich aufhorchen. Genau das hatte ich auch im Stadtarchiv gefunden.
„Was genau wollen Sie von mir?“, fragte ich direkt. Ich war es leid, um den heißen Brei herumzureden.
„Ich würde Sie gerne treffen, Frau Richter. Ich möchte Ihre Perspektive hören. Und ich habe Informationen über die Familiengeschichte, die Sie vielleicht interessieren könnten. Informationen, die über das hinausgehen, was im öffentlichen Archiv zu finden ist.“
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