Chapter 6: Abrechnung im Erkerzimmer

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Von meinem Mann öffentlich gedemütigt: Seine Geliebte wurde gefeiert, ich deckte seinen Verrat auf.

Chapter 1: Die verbrannte Gala

Chapter 2: Der Keller des Patriarchen

Chapter 3: Richters Geheimnis

Chapter 4: Das Schattennetz

Chapter 5: Der vergessene Wille

Chapter 6: Abrechnung im Erkerzimmer

Chapter 7: Echo der Wahrheit

Chapter 8: Die Bürde der Krone

Das Erkerzimmer des Anwesens war Ulrichs Lieblingsort gewesen, ein Raum voller Sonnenlicht und der besten Aussicht auf die weitläufigen Gärten. Jetzt, am frühen Abend, war es nur noch schwach beleuchtet, die Schatten tanzten in den Ecken. Renate stand am Fenster, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, als Ulrich eintrat. Die Luft knisterte vor ungesagter Spannung.

Ulrich sah abgemagert aus, seine Augen waren eingefallen. Die Tage der Gala und die nachfolgenden Ereignisse hatten ihre Spuren hinterlassen. Er wusste, dass etwas im Busch war, aber er ahnte nicht die volle Wucht dessen, was ihn erwartete. Er versuchte, eine Miene der Gleichgültigkeit aufzusetzen.

“Renate”, sagte er, seine Stimme war kühl. “Was ist los? Ich habe eine Menge zu tun.”

Renate drehte sich langsam um. In ihrer Hand hielt sie die gefälschten Bilanzen, den betrügerischen Treuhandvertrag und den vergilbten Kodizill. Sie legte die Dokumente ruhig auf den kleinen Tisch vor sich ab, jedes Einzelne eine Granate.

“Deine Geschäfte sind meine Geschäfte, Ulrich”, sagte sie, ihre Stimme war leise, aber eisig. “Oder besser gesagt, *waren* deine Geschäfte.”

Ulrichs Blick fiel auf die Dokumente. Seine Augen weiteten sich, als er Richters Unterschrift auf den gefälschten Bilanzen erkannte, dann den Namen “Aurora Holdings” auf dem Treuhandvertrag. Ein Zucken ging durch sein Gesicht.

“Das… das ist Unsinn”, stammelte er, seine Stimme überschlug sich. Er versuchte, die Fassung zu bewahren, aber die Farbe wich aus seinem Gesicht. “Diese Papiere sind gefälscht. Eine Manipulation.”

Renate lächelte, ein Lächeln ohne Wärme. “Interessant, wie schnell du deine eigene Arbeit verleugnest. Klaus Richter hat bereits alles gestanden. Erpressung, Unterschlagung… er wird heute Abend noch eine Erklärung abgeben.”

Ulrich erstarrte. Er wusste, dass Richter zerbrechlich war. Aber Renate hatte ihn so schnell erwischt. Er sah seine Fassade bröckeln.

“Und das hier”, fuhr Renate fort, ihre Hand glitt über den Kodizill. “Der letzte Wille deines Vaters. Er hat dich besser gekannt, als du dachtest, Ulrich. ‘Moralisches Versagen’. ‘Grobe Fahrlässigkeit’. Das sind seine Worte, nicht meine. Und sie geben mir jetzt die *absolute, unwiderrufliche Kontrolle* über unser gesamtes Erbe. Das Anwesen, das Unternehmen. Alles.”

Sie schob ihm den Kodizill hin. Ulrichs Hände zitterten, als er das Dokument nahm. Seine Augen überflogen die Worte. Er sah die Unterschrift seines Vaters. Seine eigene Welt brach zusammen.

Er sank in einen Sessel, die Dokumente fielen zu Boden. “Das… das ist unmöglich. Er hätte mir so etwas nie angetan.”

“Dein Vater wusste, wozu du fähig bist”, sagte Renate. “Er wollte die Familie schützen. Vor dir.”

Ulrich hob den Kopf, seine Augen glühten vor Verzweiflung. “Du verstehst nichts! Das war nicht für mich! Das war für Mutter!”

Renate schwieg, ihr Gesicht blieb unbewegt.

“Meine Mutter ist sterbenskrank!”, rief Ulrich, seine Stimme brach. “Sie hat eine seltene degenerative Krankheit. Die Ärzte haben keine Hoffnung gegeben. Aber ich habe eine Klinik in der Schweiz gefunden, die experimentelle Behandlungen anbietet. Es ist die einzige Chance, die sie hat.”

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