Chapter 6: Claras erste Spur

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Die Nachricht von Lena und das Foto der handschriftlichen Notiz meines Mannes erreichten Dr. Nowak mitten in der Nacht. Ihr Herz raste, als sie die kryptische Botschaft las: „Bloß nicht, was Vater wollte.“ Die Worte bestätigten ihre schlimmsten Befürchtungen über Konrad Bergmann.

Am nächsten Morgen begann Dr. Nowak ihre diskrete Recherche. Sie wusste, dass sie extrem vorsichtig sein musste, da Konrads Einfluss in der Klinik immer noch spürbar war. Jeder falsche Schritt könnte ihre Karriere ruinieren.

Sie begann, sich durch die alten, physischen Patientenakten der Klinik zu wühlen. Das Krankenhausarchiv war ein riesiges Labyrinth aus vergilbten Papieren und verstaubten Ordnern, ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben schien.

Die Archivierungspraktiken vor 20 Jahren waren chaotisch und unzureichend gewesen. Viele Akten waren unvollständig, schlecht sortiert oder sogar verschwunden.

Es war eine mühsame und frustrierende Arbeit, die sie nur in ihrer knappen Freizeit durchführen konnte, oft nach langen Schichten im Krankenhaus. Die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen.

„Gibt es hier denn keine digitale Erfassung für so alte Fälle?“, fragte sie einmal den alten Archivar, Herrn Schuster, der mürrisch hinter seinem Schreibtisch saß.

„Digital?“, schnaubte Herr Schuster. „Vor 20 Jahren gab’s hier noch Schreibmaschinen. Was soll das für’n Quatsch sein?“

Dr. Nowak schluckte ihre Frustration hinunter. Sie wusste, dass sie auf die alte, analoge Weise arbeiten musste, um Konrads Spuren zu finden.

Doch ihr Gerechtigkeitssinn, angetrieben durch die Erinnerung an Lenas verstorbenen Mann, ließ sie nicht aufgeben. Sie musste einen Weg finden.

Plötzlich, nach Stunden des Suchens durch unzählige Ordner, stieß sie auf einen Namen, der ihre Aufmerksamkeit erregte: Herr Walter Schneider. Ein Patient, dessen Fall in den späten 90er-Jahren große Wellen geschlagen hatte.

Die Akte war erstaunlich dünn, aber die wenigen Einträge waren bemerkenswert. Herr Schneider war ein wohlhabender älterer Herr gewesen, der ohne direkte Erben war und dessen Vermögen für wohltätige Zwecke vorgesehen war.

In der Akte war vermerkt, dass bei ihm eine „schwere, unheilbare Herzschwäche“ diagnostiziert worden war, die seine Entscheidungsfähigkeit stark beeinträchtigte. Die Diagnose war von Chefarzt Konrad Bergmann persönlich gestellt worden.

Doch was Dr. Nowak wirklich schockierte, war ein späterer Eintrag: Herr Schneider hatte kurz vor seinem Tod sein Testament geändert und einen Großteil seines Vermögens einer neu gegründeten Stiftung vermacht, deren Vorstand unter der Aufsicht eines Herrn Bergmann stand. Eine Stiftung, die kurz nach Schneiders Tod wieder aufgelöst wurde.

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