Chapter 6: Das Kiezfest der Enthüllungen

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Das Kiezfest in Kreuzberg war in vollem Gange. Ein bunter Mix aus Menschen drängte sich zwischen den Ständen, wo der Duft von Bratwurst und gebrannten Mandeln in der Luft lag. Ursula hatte ihren Stand prominent platziert, direkt neben der kleinen Bühne, wo eine Band spielte. Ein großes Banner verkündete: „‚Unser Kiez‘ – Gemeinschaftsprojekt für ein besseres Miteinander“. Sie strahlte, winkte Passanten zu und sprach mit übertriebener Freundlichkeit in eine imaginäre Kamera. Spendenboxen standen auf ihrem Tisch.

Ich ging langsam auf ihren Stand zu, eine einfache Stofftasche fest in meiner Hand. Mein Herz klopfte bis zum Hals, aber meine Schritte waren fest. Ich hatte Leon kurz zuvor getroffen, der mir die sorgfältig zusammengestellten Unterlagen überreicht hatte. Ich sah ihn in der Ferne, unauffällig, aber aufmerksam. Sandra war ebenfalls da, etwas abseits, bereit, jede meiner Anweisungen zu befolgen.

Ursula bemerkte mich erst, als ich direkt vor ihrem Stand stand. Ihr Lächeln erstarrte.

„Clara? Was machst du denn hier?“, fragte sie, ihre Stimme klang scharf, obwohl sie versuchte, sie leise zu halten.

„Ich bin hier, um etwas klarzustellen, Mutter“, sagte ich ruhig. Ich achtete darauf, dass meine Stimme klar und verständlich war, auch wenn ich nicht brüllte.

Ich legte die Stofftasche auf den Tisch und zog ein dünnes Kassenbuch und mehrere Banküberweisungsbelege heraus.

„Du bewirbst hier dein ‚Gemeinschaftsprojekt‘ und sammelst Spenden. Aber ich frage mich, ob die Leute wissen, wohin ihre Spenden wirklich fließen.“

Ursulas Gesicht wurde kreidebleich. Einige Passanten, die ihren Stand umlagerten, drehten sich um.

„Was redest du da für einen Unsinn?“, zischte sie. „Verschwinde! Du machst mir mein Geschäft kaputt!“

Ich ignorierte sie. Ich öffnete das Kassenbuch auf einer Seite und zeigte auf eine Reihe von Einträgen.

„Dies ist ein detaillierter Finanzbericht, der die Transaktionen deines ‚Gemeinschaftsprojekts‘ über die letzten Jahre dokumentiert.“

Ich hielt einen Beleg hoch.

„Hier zum Beispiel. Eine Überweisung von 2.500 Euro aus dem ‚Parkplatzbeleuchtungs-Fonds‘. Offiziell für einen Elektriker.“

Ich legte einen weiteren Beleg daneben.

„Und hier die Gegenbuchung. Zwei Tage später. Exakt 2.500 Euro auf dein privates Konto bei der ‚Kreditbank West‘. Zweck: ‚Verwaltungsgebühren‘.“

Einige der umstehenden Leute tuschelten. Ursula zitterte sichtlich. Ihre Augen huschten über die Dokumente, dann zu den Gesichtern der Zuhörer.

„Das ist… das ist doch alles Unsinn! Gefälscht!“, stieß sie hervor. „Das ist doch nur eine Verleumdung, weil du mich immer schon sabotieren wolltest!“

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