Chapter 6: Schwester Agnes’ Bekenntnis

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Die Worte von Klara und Benno dröhnten noch in meinen Ohren, als ich am nächsten Morgen das Haus verließ. Die Sonne schien, doch die Welt um mich herum hatte ihren Glanz verloren. Ich spürte eine tiefe Dringlichkeit, einen Plan zu schmieden, der über bloße Verteidigung hinausging.

Ich brauchte Verbündete, oder zumindest jemanden, der bereit war, die Wahrheit zu sehen. Meine Gedanken kreisten um Schwester Agnes. Sie war eine der ältesten und weisesten Frauen der Gemeinschaft, bekannt für ihre unerschütterliche Loyalität zur wahren Lehre.

Ich beschloss, sie im Garten aufzusuchen. Sie verbrachte dort oft Stunden, pflegte die Kräuter und Blumen. Es war ein ruhiger Ort, wo Gespräche leichter unbemerkt blieben.

Ich fand sie kniend vor einem Beet mit Heilkräutern, ihre Hände waren von der Erde gezeichnet. Sie trug ein altes, ausgeblichenes Gewand, und ihr Gesicht war tief gefurcht von den Jahren. Sie sah auf, als ich mich näherte.

“Friede sei mit dir, Schwester Agnes”, sagte ich leise.

Sie nickte, ihre Augen waren wachsam. “Und mit dir, Luisa”, antwortete sie. Ihre Stimme war sanft, doch ich spürte eine unterliegende Anspannung.

Ich setzte mich neben sie auf den feuchten Boden, der Geruch von feuchter Erde und Rosmarin füllte meine Nase. “Ich spüre eine große Unruhe in der Gemeinschaft”, begann ich. “Und in meinem Herzen.”

Schwester Agnes beugte sich vor und zupfte ein Unkraut aus dem Beet. Sie schwieg einen Moment, ihre Bewegungen waren langsam und bedächtig.

“Die Schatten sind lang geworden”, sagte sie schließlich, ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. “Und die Wahrheit ist oft schwer zu erkennen.”

Ich wusste, dass sie meine Andeutungen verstand. Ich atmete tief ein. “Ich glaube, dass Klara und Benno die Gemeinschaft betrügen”, sagte ich, meine Stimme war leise, doch klar.

Schwester Agnes erstarrte. Ihre Hand, die gerade ein weiteres Unkraut greifen wollte, verharrte in der Luft. Sie hob den Kopf und sah mich an, ihre Augen waren voller Besorgnis.

“Was meinst du, Luisa?”, fragte sie, ihre Stimme war kaum hörbar.

“Ich habe gehört, wie Benno über hohe Schulden sprach”, erklärte ich. “Und Klara von ihrem Plan, die Kontrolle über die Ländereien zu übernehmen, sobald ich ‘aus dem Weg’ bin.”

Eine Träne lief über Schwester Agnes’ faltiges Gesicht. Sie zögerte, ihre Lippen waren fest zusammengepresst.

“Ich habe es befürchtet”, flüsterte sie. “Ich habe Dinge gesehen.”

Mein Herz pochte. “Was hast du gesehen, Schwester Agnes?”

Sie sah sich um, als würde sie sicherstellen wollen, dass niemand uns belauschte. Dann beugte sie sich noch näher zu mir.

“Vor einigen Wochen”, begann sie, ihre Stimme war kaum zu verstehen, “sah ich Benno im Archiv. Er war bei den alten Dokumenten, den Besitzurkunden.”

Ich spürte, wie meine Haut kribbelte. Das Archiv war ein heiliger Ort, nur den Ältesten und Konstantin zugänglich.

“Er schien etwas zu suchen”, fuhr Agnes fort. “Und dann… dann sah ich, wie er einige Papiere herausnahm und andere hineinlegte. Es sah so aus, als würde er etwas manipulieren.”

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Die Bestätigung meiner schlimmsten Befürchtungen. Klara und Benno manipulierten die Geschichte.

“Warum hast du nichts gesagt?”, fragte ich, meine Stimme war kaum mehr als ein Hauch.

Schwester Agnes sah mich mit schmerzverzerrtem Gesicht an. “Ich hatte Angst, Luisa”, flüsterte sie. “Angst um meine Position, um meinen Ruf. Benno ist Konstantins Schwiegersohn. Wer hätte mir geglaubt?”

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