Die gesammelten Zeitungsartikel und die Erkenntnisse über Markus’ Muster der Manipulation verstärkten meine Entschlossenheit. Ich war nun nicht mehr nur schockiert, sondern zutiefst wütend und getrieben. Ich wusste, dass ich mehr Beweise brauchte, um Anette und vor allem Mama die Augen zu öffnen.
Ich musste Markus’ Arbeitszimmer erneut durchsuchen. Es war ein Risiko, denn er konnte jederzeit zurückkommen, und Mama war immer noch im Haus. Aber ich konnte nicht länger warten. Jede Minute, die verging, gab Markus mehr Zeit, seine Spuren zu verwischen.
Ich wartete geduldig, bis Mama im Wohnzimmer einen Film ansah. Sie war in die Handlung vertieft, ihre Aufmerksamkeit war vollständig gebunden. Das war mein Moment.
Leise schlich ich mich aus meinem Zimmer und huschte über den Flur zu Papas Arbeitszimmer. Die Tür stand einen Spalt offen. Ich hörte das leise Summen seines Computers, den er wohl im Standby gelassen hatte.
Ich trat ein, mein Herz pochte wie wild gegen meine Rippen. Der Geruch von alten Büchern und Papier füllte den Raum, aber ich roch auch den subtilen Hauch von Papas Parfüm, der mir jetzt ekelerregend vorkam.
Ich schaltete die Schreibtischlampe ein und begann systematisch zu suchen. Diesmal nicht nur nach Notizblöcken, sondern nach allem, was verdächtig aussah. Ich öffnete Schubladen, durchsuchte Aktenordner, strich über die Lederoberfläche seines Schreibtisches.
Unter einem Stapel von Fachliteratur fand ich einen unscheinbaren USB-Stick. Er war klein, schwarz und hatte keine Beschriftung. Solche Dinge benutzt Papa oft für wichtige, geheime Daten. Meine Finger zitterten, als ich ihn aufhob.
Ich steckte den Stick in den USB-Anschluss seines Computers. Der Bildschirm flackerte auf, und ein Ordner namens „Projekte_X“ erschien. Ich klickte darauf.
Darin befanden sich mehrere Dateien, alle mit kryptischen Namen wie „Koenig_Deal_Final.enc“ oder „Insurance_Claim_Draft.enc“. Die Endung „.enc“ bedeutete, dass die Dateien verschlüsselt waren.
Das war es. Ich hatte es geahnt. Markus verschlüsselte seine wichtigsten Informationen. Das würde etwas Zeit in Anspruch nehmen, aber ich war bereit dazu.
Ich kopierte die Dateien schnell auf meinen eigenen, leeren USB-Stick. Ich wollte keine Spuren auf Papas Computer hinterlassen. Sobald die Übertragung abgeschlossen war, löschte ich die Dateien von seinem Rechner und lehrte den Papierkorb.
Dann zog ich meinen USB-Stick ab und steckte den Original-Stick zurück an seinen Platz. Ich legte die Fachbücher wieder darüber, genau so, wie ich sie gefunden hatte.
Ich wagte einen letzten Blick auf den Schreibtisch. Da war noch etwas. Eine kleine Notiz, die unter einem Ordner herausragte. Sie war handgeschrieben, keine Verschlüsselung, nur eine kurze Erinnerung.
„Schließfachschlüssel nicht vergessen. König belastet.“
Mein Atem stockte erneut. Schließfachschlüssel. Ich erinnerte mich an den Ersatzschlüssel, den die Polizei in der Garage gefunden hatte. Sie hatten angenommen, er sei für Anette bestimmt gewesen.
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