Chapter 9: Die Ablenkung

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Nachdem ich die E-Mails entschlüsselt hatte, konnte ich kaum an etwas anderes denken. Jeder kleine Hinweis, den ich zuvor gefunden hatte, gewann nun eine neue, düstere Bedeutung. Besonders die Notiz, die in der Garage gefunden worden war, ließ mich nicht los.

Die Polizei hatte sie als Anhaltspunkt für Anettes Zugang zum Haus interpretiert. „Ein Paket muss bereitgestellt werden“, stand darauf, vage und kryptisch. Doch jetzt, mit den neuen Informationen über Markus’ Plan, sah ich sie mit anderen Augen.

Ich erinnerte mich an die erste polizeiliche Befragung, die ich halb bewusst mitbekommen hatte. Herr Richter hatte die Notiz als Beweis für Anettes Einbruchsabsicht gewertet. „Sie wusste genau, wo der Schlüssel ist, und die Notiz ist eine klare Anweisung“, hatte er gesagt.

Doch das passte nicht zu Markus’ komplexen Plänen. Warum sollte er eine so plumpe Notiz hinterlassen, wenn er alles andere so sorgfältig verschlüsselte? Es war zu einfach, zu offensichtlich.

Plötzlich traf es mich wie ein Blitz. Die Notiz war keine Anweisung für den Anschlag selbst. Es war eine Ablenkung. Eine Falle.

Ich ging noch einmal in Papas Arbeitszimmer, um den Notizblock wieder zu konsultieren. Zwischen den Zeilen über „maximale Ablenkung“ und „König belasten“ fand ich eine weitere, kleine Notiz: „Alte Notiz in Garage – A. als Sündenbock“.

Es war eine ältere Notiz gewesen, die Markus absichtlich dort platziert hatte. Eine Notiz, die auf einen *anderen*, unwichtigeren „Streich“ hinwies, den Anette vielleicht einmal für ihn hätte ausführen sollen.

Markus hatte diese alte Notiz absichtlich dort platziert, um die Polizei abzulenken. Er wusste, dass die Polizei schnell eine einfache Erklärung suchen würde. Und Anette, mit ihrem Geständnis vom „Schlaf-Tee“, war die perfekte Kandidatin.

Die Notiz war eine falsche Fährte, die dazu diente, Anette zusätzlich zu belasten. Es war ein Teil seines Plans, falls die Polizei zu gründlich ermitteln sollte und Anettes Rolle nicht ganz so offensichtlich war.

Ich sah das Bild vor mir: Anette, verwirrt und schuldbewusst, die die Notiz in der Garage fand und dachte, es sei eine Anweisung für den „Streich“. Die Notiz war nicht der Schlüssel zum Haus, sondern ein Schlüssel zu ihrer eigenen Schuldgefühlen.

Diese perfide Berechnung war typisch für Markus. Er plante nicht nur den Hauptanschlag, sondern auch jede mögliche Eventualität. Er wollte sicherstellen, dass Anette, wenn es hart auf hart kam, als die alleinige Täterin dastand.

Die Notiz war ein weiteres Beispiel für seine spezifische Grausamkeit. Er spielte mit Anettes Gefühlen, nutzte ihre Schuldgefühle und ihre anfängliche Eifersucht aus, um sie in seine dunklen Machenschaften zu verwickeln.

Ich spürte, wie meine Hände sich zu Fäusten ballten. Die Polizei hatte diese Notiz als direkten Beweis gegen Anette gewertet, doch in Wirklichkeit war sie ein Beweis für Markus’ Planung.

Ich musste dies in mein Dossier aufnehmen. Es war ein weiterer Beweis dafür, wie sorgfältig Markus jeden Schritt geplant hatte, um sich selbst zu schützen und andere zu opfern.

Die wahre Bedeutung der Notiz war nicht, Anette den Zugang zum Haus zu ermöglichen, sondern ihre Geschichte glaubwürdiger zu machen. Sie sollte die Geschichte vom „Streich“ untermauern, während Markus in Wirklichkeit einen viel dunkleren Plan verfolgte.

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