Nach den langen OP-Tagen war es gut, nach Hause zu kommen. In die Wohnung, die ich nun wieder mein Eigen nennen konnte.
Als ich die Treppe zu meiner Wohnung im dritten Stock hinaufstieg, bemerkte ich etwas. Die alte Holztür, die während der eskalierten Nachbarschaftsauseinandersetzungen vor einigen Wochen beschädigt worden war, sah anders aus.
Die Kratzer, die unschönen Dellen, die das Holz verunstaltet hatten, waren verschwunden. Sie war neu geschliffen, neu versiegelt. Die Türklinke glänzte.
Ich strich mit den Fingern über das glatte Holz. Die Arbeit war fachgerecht ausgeführt worden, makellos.
Das konnte nicht ich gewesen sein. Ich hatte weder einen Handwerker beauftragt noch die Zeit gehabt, mich darum zu kümmern.
Ich holte mein Telefon hervor und rief den Hausmeister an, Herrn Gruber.
“Herr Gruber, meine Tür… wurde da etwas repariert?”, fragte ich.
Eine kurze Pause am anderen Ende.
“Ach, Frau Dr. Lindner”, sagte Herr Gruber, seine Stimme war etwas verlegen. “Ja, da war jemand zugange.”
“Wer war das?”, fragte ich, mein Herz begann schneller zu schlagen.
“Herr Richter”, antwortete der Hausmeister. “Er hat das persönlich beauftragt. Ohne viele Worte. Hat gesagt, die Rechnung geht auf ihn.”
Ich stand da, das Telefon noch am Ohr, und starrte auf die reparierte Tür.
“Hat er eine Nachricht hinterlassen?”, fragte ich leise.
“Nein”, sagte Herr Gruber. “Nur gesagt, es muss ordentlich werden.”
Keine Nachricht. Kein Zettel, keine Entschuldigung. Nur diese makellose Reparatur.
Es war eine stille Geste, so unerwartet wie die plötzliche Erkenntnis, dass sich die Dinge wirklich änderten.
Gerhard Richter. Der Mann, der mich aus meiner Wohnung vertreiben wollte, der die Nachbarschaft gegen mich aufgehetzt hatte, zahlte nun für die Reparatur meiner Tür.
Ein tiefer Riss in der Fassade seiner Unversöhnlichkeit war entstanden. Und er wurde nicht mit Worten, sondern mit einem Hammer und Pinsel gefüllt.
Ich legte auf. Ein warmes Gefühl breitete sich in meiner Brust aus. Es war nicht Vergebung, aber es war ein Anfang. Ein leiser Beweis für die Veränderung, die in ihm stattfand.
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