Chapter 11: Der alte Notizblock

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Nachdem ich von meiner Geschäftsreise aus Berlin zurückgekehrt war, fühlte ich mich gestärkt. Dr. Hoffmanns Zusage war ein Wendepunkt. Doch bevor ich ihn offiziell einschalten konnte, musste ich mich wieder meinen eigenen Dämonen stellen.

Ich suchte in meinem alten Arbeitszimmer nach Unterlagen, die für Dr. Hoffmann von Bedeutung sein könnten. Verträge, Korrespondenz, alte Finanzübersichten. Das Zimmer war seit Jahren unberührt geblieben, ein Archiv meines früheren Lebens. Staubschichten bedeckten die Möbel, die Luft war abgestanden.

Ich zog eine alte Schreibtischschublade auf, die klemmte. Darin fand ich einen Stapel verstaubter Notizblöcke, die ich früher für schnelle Notizen während Telefonaten benutzt hatte. Sie waren voller Kritzeleien, abstrakter Formen, Telefonnummern und halbfertiger Gedanken.

Ich blätterte gedankenverloren durch einen Notizblock, der offensichtlich vor etwa drei Jahren benutzt worden war. Damals, als Julia und ich uns getrennt hatten, als die Manipulation meiner Eltern ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Meine Augen huschten über eine Seite voller Kritzeleien. Ein Wirrwarr aus Linien und Formen. Dann blieb mein Blick hängen. Zwischen abstrakten Formen entdeckte ich eine Reihe von Worten, die ich damals unbewusst niedergeschrieben hatte. Meine eigene Handschrift.

„Julia… schwanger?“

Und darunter, unleserlich, eine Zahl, die wie ein Datum aussah, aber nicht klar zu entziffern war. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ich hatte diese Worte selbst geschrieben. Ich hatte diese Frage selbst formuliert.

Ich starrte auf die Notiz, meine Hände zitterten. Diese unbewusste Ahnung. Ich hatte es gewusst, oder zumindest geahnt. Und ich hatte es verdrängt. Ich hatte die Wahrheit nicht wahrhaben wollen.

Die Erinnerung an das damalige Telefonat kam schemenhaft zurück. Es war ein Gespräch mit einem Freund gewesen, der beiläufig erwähnt hatte, Julia habe sich in den letzten Wochen komisch verhalten, sei oft müde gewesen. Und er hatte gefragt, ob ich wüsste, was los sei. Und meine eigene, panische Reaktion, diese Gedanken sofort zu verwerfen.

Ich hatte damals nicht nachgefragt. Ich hatte die Möglichkeit einer Schwangerschaft nicht in Betracht ziehen wollen. Es hätte mein geplantes Leben, meine bevorstehende Ehe mit Johanna, meine ganze Zukunft, die meine Eltern für mich geplant hatten, durcheinandergebracht. Ich hatte mich bewusst taub gestellt.

Die Erkenntnis traf mich mit der Wucht eines Hammerschlags. Ich war nicht nur ein Opfer der Manipulation meiner Familie gewesen. Ich war auch ein Komplize meiner eigenen Ignoranz. Ich hatte meine eigenen Gefühle, meine eigene Intuition, verdrängt, um dem Druck meiner Familie nachzugeben.

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