Ich saß Dr. Elias Hoffmann gegenüber, die Geschichte sprudelte nur so aus mir heraus. Ich erzählte ihm alles: von meiner erzwungenen Trennung von Julia vor drei Jahren, von Lenas Existenz, Claudias Drohungen und den €75.000 „Abfindung“, dem gesperrten Flitterwochen-Konto und Julias drohendem finanziellen Ruin durch den manipulierten Mietvertrag. Ich erwähnte auch die gefälschten Dokumente, die Claudia mir triumphierend präsentiert hatte, als Beweis für Julias angeblichen Verzicht auf alle Rechte.
Dr. Hoffmann hörte aufmerksam zu, sein Gesicht war ausdruckslos. Er unterbrach mich kein einziges Mal, nickte nur gelegentlich. Er hatte einen Notizblock vor sich und kritzelte darauf herum, seine Augen fixierten mich, während ich sprach. Es war eine ungewohnte Erfahrung, einem Fremden die ganze schmutzige Wäsche meiner Familie auszubreiten. Aber in diesem Moment fühlte es sich richtig an.
Als ich fertig war, herrschte eine kurze Stille. Der Lärm des Cafés schien zu verstummen. Ich wartete auf seine Reaktion, mein Herz schlug schnell.
Schließlich legte Dr. Hoffmann seinen Stift beiseite. Er sah mich an, sein Blick war scharf, prüfend.
„Herr Koch“, sagte er, seine Stimme war ruhig und überlegt. „Das ist eine sehr ernsthafte Angelegenheit. Und ich muss Ihnen sagen, die Indizien, die Sie mir präsentiert haben, sind äußerst vielversprechend.“
Ein Seufzer der Erleichterung entwich mir. Vielversprechend. Das war mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte.
„Die Ähnlichkeit mit dem bekannten Urkundenfälscher-Fall der Notarin, die Sie erwähnten, ist frappierend“, fuhr er fort. „Besonders, wenn Ihre Schwester tatsächlich gefälschte Dokumente präsentiert hat, die eine Unterschrift mit diesem spezifischen Merkmal aufweisen könnten.“
Er sah mich an. „Haben Sie die Möglichkeit, an diese Dokumente heranzukommen? Oder zumindest an eine Kopie davon?“
Ich schüttelte den Kopf. „Claudia hat sie mir nur kurz gezeigt. Sie waren in ihrem Besitz.“
„Verstehe“, sagte er. „Das macht es schwieriger, aber nicht unmöglich. Wenn wir einen Gerichtsbeschluss bekommen, könnten wir sie zur Herausgabe zwingen.“
„Und die Kontosperrung? Julias Mietvertrag?“, fragte ich.
„Die Kontosperrung ist ein klarer Fall von Nötigung und potenzieller Rufschädigung“, erklärte er. „Und der manipulierte Mietvertrag, besonders mit der Verbindung zu Ihrer Familie, deutet auf weitere gezielte Schikane hin. Das alles zusammen ergibt ein Bild, Herr Koch.“
Er lehnte sich zurück, seine Augen blitzten. „Ein Bild von systematischer Nötigung, Urkundenfälschung und Betrug. Das ist keine Kleinigkeit. Das sind schwerwiegende Straftaten.“
Die Schwere seiner Worte traf mich. Straftaten. Das war nicht nur ein Familienstreit mehr. Das war etwas, das ernsthafte Konsequenzen haben konnte.
„Was schlagen Sie vor?“, fragte ich.
„Zuerst müssen wir Beweise sichern“, sagte Dr. Hoffmann. „Wir werden versuchen, an Kopien der von Ihrer Schwester erwähnten Dokumente zu kommen. Wir werden die Bank kontaktieren und die genaue Ursache der Kontosperrung ergründen. Und wir werden uns Julias Mietvertrag genau ansehen.“
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