Chapter 13: Theresas mutiger Schritt

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Dr. Kohls Versuch, mich bei der vorläufigen Anhörung als „unbedeutende, neidische Einzelgängerin” darzustellen, hatte in mir eine tiefe Wunde hinterlassen. Doch gleichzeitig hatte er meinen Widerstand nur noch mehr gestärkt. Nun war es umso wichtiger, Theresa Schulz als Zeugin zu gewinnen.

Frau Becker hatte es arrangiert, dass wir uns mit Theresa in einem neutralen Besprechungsraum trafen, weit weg von neugierigen Blicken. Theresa sah blass und angespannt aus, als sie hereinkam. Die Angst saß ihr noch immer tief in den Knochen. Sie hatte sichtlich abgenommen, und die Ringe unter ihren Augen verrieten schlaflose Nächte.

„Frau Schulz”, sagte Frau Becker mit sanfter Stimme. „Wir haben uns Ihre Vertraulichkeitsvereinbarung sehr genau angesehen.”

Theresa nickte. Ihre Hände waren auf dem Tisch gefaltet, ihre Knöchel waren weiß. Sie erwartete das Schlimmste.

„Wir sind zu dem Schluss gekommen”, fuhr Frau Becker fort, „dass die Klauseln, die Sie zur lebenslangen Verschwiegenheit verpflichten und eine so exorbitante Strafe vorsehen, unter bestimmten Umständen nicht rechtens sind. Insbesondere, wenn es um die Meldung von Misshandlungen geht, besonders von Kindern.”

Theresas Augen weiteten sich leicht. Ein kleiner Hoffnungsschimmer blitzte darin auf, doch die Angst war noch immer dominant.

„Das bedeutet”, erklärte Frau Becker weiter, „dass wir, im Falle einer Klage durch Eva Brandl wegen Vertragsbruch, Sie kostenlos verteidigen würden. Und unsere rechtliche Einschätzung ist, dass wir sehr gute Chancen hätten, diese Klage abzuwehren.”

Die Worte „kostenlos” und „sehr gute Chancen” schienen Theresas Anspannung ein wenig zu lösen. Sie blickte mich an, dann wieder Frau Becker. Ich versuchte, ihr mit meinem Blick Mut zu machen.

„Das ist ein großes Versprechen”, sagte Theresa leise. „Eva hat mir immer gesagt, dass niemand gegen sie gewinnen kann.”

„Eva Brandl ist nicht das Gesetz”, sagte ich. „Und das Gesetz schützt Kinder und diejenigen, die sich für sie einsetzen. Wir wissen, was Sie durchgemacht haben, Theresa. Wir haben Beweise, die Evas wahres Gesicht zeigen. Jens Müller hat uns seine Aufzeichnungen übergeben.”

Ich sah, wie ihr Name sie zusammenzucken ließ. Sie kannte Jens. Er war ja Evas Assistent gewesen, während sie als Nanny arbeitete. Die Tatsache, dass Jens auch Beweise gesammelt hatte, schien sie zu überraschen und gleichzeitig zu beruhigen. Sie war nicht allein mit ihrer Geschichte.

„Er hat auch über Sie berichtet, Theresa”, fuhr ich fort. „Über die Art und Weise, wie Eva Sie behandelt hat. Und wie sie die Kinder behandelt hat.”

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