Mit den neuen Beweisen von Schmidts ehemaligem Mitarbeiter hatten wir eine starke Position, aber der Kampf war noch lange nicht vorbei. Dr. Kohl, Evas Anwalt, setzte seine aggressive Strategie fort, Lena öffentlich zu diskreditieren. Bei einer vorläufigen Anhörung vor Gericht, die dazu diente, den Rahmen für den eigentlichen Prozess festzulegen, versuchte er, meinen Ruf als Kindergärtnerin gezielt zu untergraben.
Der Gerichtssaal war kleiner und weniger besetzt als ein Hauptverfahren, doch die Atmosphäre war eisig und angespannt. Dr. Kohl, ein Mann mit scharf geschnittenem Anzug und einer Aura unnahbarer Arroganz, dominierte den Raum. Lena saß neben Frau Becker, ihre Hände fest ineinander verschränkt. Sie spürte, wie jeder Blick auf ihr lag.
Dr. Kohl begann seine Ausführungen mit einer präzisen und kalten Stimme. Er sprach über Eva Brandls makellosen Ruf, ihre wohltätigen Engagements und ihre Bedeutung für die Öffentlichkeit. Dann wechselte er abrupt zu meiner Person, Lena Richter.
„Meine Damen und Herren des Gerichts”, begann Dr. Kohl, sein Blick streifte mich nur flüchtig, als wäre ich irrelevant. „Wir haben es hier mit einer Situation zu tun, in der eine höchst angesehene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens von einer Person angegriffen wird, deren Motive zutiefst fragwürdig sind.”
Er legte eine kurze Pause ein, die nur dazu diente, seine Worte noch stärker wirken zu lassen. „Frau Richter ist, mit Verlaub, eine unbedeutende Einzelgängerin. Eine Kindergärtnerin, deren Leben abseits der Öffentlichkeit stattfindet, deren soziale Kontakte begrenzt sind.”
Jedes Wort war ein gezielter Stich, eine persönliche Herabwürdigung. Er versuchte, mein bescheidenes Leben als Schwäche darzustellen, meine Zurückgezogenheit als Beweis für eine vermeintliche Verbitterung. Die Kaltblütigkeit, mit der er meine Existenz als ‚unbedeutend’ abtat, war eine weitere persönliche Demütigung.
„Sie hat keine eigene Familie im traditionellen Sinne”, fuhr er fort, seine Stimme war kühl und berechnend. „Keine Kinder, keine Partner. Eine Frau, die ihr Dasein in der Anonymität fristet, und die nun versucht, sich durch das Anprangern einer erfolgreichen Persönlichkeit in den Vordergrund zu drängen.”
Meine Hände zitterten. Er stellte mein gesamtes Leben als einen Mangel dar, als etwas, das mich zu einer eifersüchtigen und verbitterten Person machte. Der Gedanke, dass mein Beruf, meine Fürsorge für Kinder, meine hingebungsvolle Pflege meiner Mutter, so verhöhnt werden konnte, war unerträglich. Er versuchte, mich als moralisch minderwertig darzustellen, nur weil mein Leben nicht seinem idealen Bild entsprach.
„Ist es nicht viel wahrscheinlicher”, fuhr Dr. Kohl fort, „dass Frau Richter aus Neid handelt? Aus einer tief sitzenden Verbitterung über ihr eigenes, unerfülltes Leben? Und dass ihre Anschuldigungen gegen Dr. Brandl lediglich der Ausdruck dieser persönlichen Frustration sind, gepaart mit einer krankhaften Besessenheit?”
Er verwendete das Wort „Besessenheit” immer wieder, wie einen Hammer, der auf meine Glaubwürdigkeit einschlug. Er zitierte die manipulierten Bilder, die Eva der Presse zugespielt hatte, als „Beweis” für mein stalkerhaftes Verhalten. Es war eine zynische Verdrehung der Tatsachen.
Frau Becker sprang auf. „Einspruch, Euer Ehren! Dies sind haltlose Unterstellungen und reine Charakterdiffamierung, die nicht zur Sache gehören!”
Der Richter nickte. „Herr Dr. Kohl, bitte beschränken Sie sich auf die Fakten des Falles. Persönliche Angriffe auf die Lebensumstände der Klägerin sind hier fehl am Platz.”
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