Chapter 15: Jens’ Zeugnis

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Frau Becker beendete ihre Eröffnungsrede mit einem klaren Statement über die Wahrheit. Dann bat sie den Gerichtsdiener, ihren ersten Zeugen aufzurufen.

„Die Verteidigung ruft Herrn Jens Müller in den Zeugenstand.”

Ein Raunen ging durch den Gerichtssaal. Evas Anwalt, Dr. Kohl, erstarrte. Selbst Eva Brandl, die bis dahin so gelassen gewirkt hatte, zeigte eine minimale Bewegung in ihren Gesichtszügen, ein kurzes Zucken um die Augen. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Jens aussagen würde. Die Überraschung war ihr anzusehen, ein kleiner Riss in ihrer perfekten Fassade.

Jens Müller trat vor, sichtlich nervös, aber entschlossen. Er trug einen schlichten, grauen Anzug, seine Haare waren ordentlich frisiert. Er vermied jeden Blickkontakt mit Eva, als er am Zeugenpult vorbeiging. Die Angst war ihm ins Gesicht geschrieben, doch er schien sich gefasst zu haben.

Er legte den Eid ab, seine Stimme war leise, aber klar. Dann nahm er Platz.

Frau Becker begann ihre Befragung mit sanfter, ermutigender Stimme. „Herr Müller, könnten Sie dem Gericht bitte Ihre Beziehung zu Dr. Eva Brandl erklären?”

Jens atmete tief ein. „Ich war Eva Brandls persönlicher Assistent für fünf Jahre. Ich war für ihre Terminplanung, ihre Medienauftritte und die Verwaltung ihrer E-Mails zuständig.”

„Und was können Sie uns über Dr. Brandls Charakter erzählen, wenn die Kameras ausgeschaltet waren?”, fragte Frau Becker.

Jens zögerte. Er blickte kurz auf seine Hände, bevor er wieder Frau Becker ansah. „Sie war… sehr fordernd. Manipulativ. Sie konnte sehr charmant sein, wenn sie etwas wollte, aber auch unglaublich grausam, wenn etwas nicht nach ihrem Kopf ging.”

Eva Brandl spannte sich auf der Anklagebank an. Dr. Kohl tuschelte etwas mit ihr, aber sie schien Jens’ Worte mit gespannter Aufmerksamkeit zu verfolgen.

„Können Sie uns ein Beispiel geben?”, fragte Frau Becker.

Jens nickte. „Sie hat ihre Kinder immer wieder angeschrien, wenn sie in der Öffentlichkeit nicht ‚perfekt’ waren. Ich habe sie gezwungen, auswendig gelernte Antworten zu geben, die ihrem Image entsprachen, nicht dem, was sie wirklich dachten oder fühlten. Sie hatte eine regelrechte Obsession mit ihrem Image.”

Das waren die kleinen, persönlichen Grausamkeiten, die Jens dokumentiert hatte. Die Art von Misshandlung, die nur ein Insider miterleben konnte. Die Zuhörer im Saal, besonders die Reporter, lauschten gebannt.

„Herr Müller”, fuhr Frau Becker fort. „Können Sie uns etwas über eine Anweisung erzählen, die Sie von Dr. Brandl erhielten, nachdem sie eine anonyme E-Mail an eine Lokalzeitung erhalten hatte?”

Jens nickte. „Ja. Sie war außer sich vor Wut. Sie war überzeugt, dass es ein ‚Leck’ in ihrem System gab. Sie hat mich angewiesen, in ihren E-Mail-Konten nach der Quelle zu suchen. Und dabei bin ich auf eine E-Mail von Frau Richter gestoßen.”

Er erzählte, wie er auf Evas Anweisung hin eine “Honeypot”-E-Mail-Adresse gefälscht hatte, um vermeintliche Leaks zu finden. Und wie er dabei auf meine tatsächliche, anonyme E-Mail gestoßen war, die Eva bereits einmal gesichtet und gelöscht hatte. Die genaue Art, wie er meine Daten an Schmidt weitergeleitet hatte, war eine weitere Bestätigung von Evas gezieltem Vorgehen.

„Und was haben Sie mit dieser Information gemacht?”, fragte Frau Becker.

„Ich habe sie Herrn Schmidt gegeben, Eva Brandls PR-Manager”, sagte Jens. „Ich dachte, ich würde Eva helfen, ein Leck zu finden. Eva hatte mir für die Identifizierung einen Bonus von €5.000 versprochen.”

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