Chapter 16: Die manipulierten Bilder

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Nach Jens’ Aussage, die Eva Brandl sichtlich getroffen hatte, war der Gerichtssaal in Aufregung. Die Reporter schrieben eifrig, das Murmeln der Stimmen war kaum zu ignorieren. Dr. Kohls Kreuzverhör hatte Jens nicht brechen können.

Frau Becker nutzte die Gelegenheit und rief ihren nächsten Zeugen auf: mich selbst. Ich trat in den Zeugenstand, mein Herz klopfte wild. Ich legte den Eid ab und nahm Platz, bemüht, ruhig zu bleiben.

Frau Becker begann ihre Befragung. Sie fragte mich nach meiner E-Mail an die Zeitung, nach meinen Beweggründen. Ich erzählte ehrlich von meinen Beobachtungen an Eva Brandls Haus, von meiner Sorge um die Kinder und von der Heuchelei, die ich nicht länger ertragen konnte.

Dann kam sie zum entscheidenden Punkt. „Frau Richter, Sie wurden in den Medien als ‚besessene Stalkerin’ dargestellt. Wurden Ihnen manipulierte Bilder präsentiert, die diesen Eindruck erwecken sollten?”

„Ja”, sagte ich. „Diese Bilder wurden in allen Boulevardzeitungen veröffentlicht. Sie zeigten mich, wie ich angeblich Dr. Brandls Haus ausspähte und mit einem Fernglas beobachtete.”

Frau Becker bat darum, die Projektoren einzuschalten. Auf der großen Leinwand, die für Beweismittel vorgesehen war, erschien das von Herrn Schmidt gelieferte, manipulierte Bild aus der Zeitung. Es zeigte mich in einer unheimlichen Großaufnahme, mein Blick schien direkt in Evas Haus zu starren. Der Eindruck war unmissverständlich.

„Euer Ehren, meine Damen und Herren”, sagte Frau Becker, ihre Stimme war klar und deutlich. „Die Verteidigung möchte nun die Originalaufnahmen der Überwachungskameras präsentieren, die die Grundlage für diese manipulierten Bilder bildeten. Diese Aufnahmen wurden uns von einem ehemaligen Mitarbeiter von Herrn Schmidt zugespielt.”

Ein überraschtes Raunen ging durch den Saal. Dr. Kohl sprang auf, sein Gesicht war purpurrot. „Einspruch, Euer Ehren! Dies sind unzulässige Beweismittel, die nicht durch die Kette der Beweissicherung gegangen sind!”

Der Richter schüttelte den Kopf. „Herr Dr. Kohl, die Beweismittel wurden von der Verteidigung eingereicht und überprüft. Die Herkunft wird in der Sache beleuchtet werden. Ihr Einspruch ist zurückgewiesen.”

Frau Becker ließ die Originalaufnahmen abspielen. Zuerst zeigten sie die Szene, in der ich am Zaun stand. Die Kamera war weiter entfernt, und mein Blick war deutlich auf die blühenden Rosen gerichtet, nicht auf Evas Haus. Es war eine harmlose Geste, die in den manipulierten Bildern in eine Bedrohung verwandelt worden war.

Dann wurde die Szene mit dem Fernglas abgespielt. Die Originalaufnahme zeigte mich, wie ich das Fernglas nicht in Richtung von Evas Haus hielt, sondern in den Himmel, um einen Vogel zu beobachten. Mein harmloses Hobby war absichtlich verdreht worden, um eine falsche Erzählung zu konstruieren.

Die Bilder sprachen für sich. Der Kontrast zwischen den Originalaufnahmen und den manipulierten Versionen war schockierend. Die Fälschung war so dreist, dass sie kaum zu glauben war, und doch war sie geschehen. Es war eine zutiefst persönliche Verletzung meiner Integrität, die nun vor aller Augen enthüllt wurde.

Eva Brandl wurde zunehmend unruhiger. Sie rutschte auf ihrem Stuhl hin und her, ihr Blick huschte zwischen den Bildschirmen und dem Richter hin und her. Ihr makelloses Make-up konnte die zunehmende Blässe ihres Gesichts nicht mehr verbergen. Der Druck war spürbar.

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