Chapter 2: Der Goldene Käfig

#content-1

Das Gefühl der Demütigung von Klaus’ Worten brannte noch immer in mir. Doch es war die kalte Erkenntnis seiner völligen Blindheit, die meinen Zorn nährte und mich handeln ließ.

Ich war nicht die Frau, die sie zu sein glaubten – hysterisch, emotional instabil. Ich war eine Witwe mit einem ungeborenen Kind, und ich würde um unsere Zukunft kämpfen.

In den nächsten Tagen nutzte ich jede Gelegenheit, die sich bot. Ich beobachtete Renates Gewohnheiten, ihre Wege durch das Penthouse, die Schubladen, die sie offen ließ, wenn sie glaubte, allein zu sein. Meine Trauer gab mir eine Tarnung, eine stille Präsenz, die sie übersahen.

Renate war akribisch, aber auch arrogant. Sie hielt mich für zu untätig, um nachzusehen, zu dumm, um zu verstehen.

Eines Nachmittags, als sie zum Golfclub gefahren war und Klaus bei einem seiner „Geschäftstermine“ war, sah ich meine Chance. Renates Arbeitszimmer, das sonst verschlossen war, stand einen Spalt weit offen. Sie musste es in ihrer Eile vergessen haben.

Mein Herz pochte, aber meine Bewegungen waren ruhig. Ich schlüpfte hinein, die Tür leise hinter mir schließend. Der Raum roch nach ihrem teuren Parfüm und altem Leder.

Meine Augen scannten den Schreibtisch, die Regale, die Aktenschränke. Ich suchte nicht nach gestohlenem Geld, sondern nach Hinweisen.

Ich wusste, dass das Bargeld, das Klaus ihr gab, diskret war. Es würde keine direkten Spuren hinterlassen. Ich brauchte etwas, das Renates wahre Absichten entlarvte.

Nach einer nervenaufreibenden Suche, die sich wie Stunden anfühlte, entdeckte ich es. In einem unauffälligen braunen Ordner, hinter Stapeln von alten Rechnungen für ihre luxuriösen Einkäufe, fand ich, was ich suchte.

Es waren keine direkten Bankauszüge von Klaus’ Konten. Das wäre zu einfach gewesen. Stattdessen waren es Rechnungen und Überweisungsbelege. Viele davon.

Sie waren gerichtet an eine Firma namens „Bau-Projekt GmbH“. Der Name sagte mir nichts, aber die Summen auf den Überweisungsbelegen waren gigantisch.

Hunderttausende Euro. Mehr, als Renate für ihre eigenen extravaganten Ausgaben je gebraucht hätte. Es war eine ganze Serie von Zahlungen, monatlich, über einen längeren Zeitraum. Das war es.

Meine Hände zitterten, als ich die Belege vorsichtig fotografierte, jeden einzelnen, die Daten, die Summen, die Empfängerdetails. Ich spürte das kalte Metall meines Handys in meiner Hand.

Ich musste schnell sein. Ich durfte keine Spur hinterlassen.

Ich legte alles genau so zurück, wie ich es gefunden hatte. Dann schlich ich mich aus dem Arbeitszimmer, meine Haut kribbelte vor Anspannung.

Sobald ich in der Sicherheit unseres Schlafzimmers war, atmete ich tief durch. Ich setzte mich an den Rand des Bettes, das Handy fest umschlossen.

You May Also Like

More From Author

+ There are no comments

Add yours