Ich wartete nicht lange. Ich wusste, ich musste Klaus konfrontieren, um seine Reaktion zu testen, um zu sehen, wie tief seine Blindheit reichte. Es war ein kalkuliertes Risiko, das ich einzugehen bereit war.
Am nächsten Abend, nach einem ungemütlichen Abendessen, bei dem Renate mit ihren neuesten Charity-Projekten prahlte und mich immer wieder mit spöttischen Bemerkungen über meine „Stille“ bedachte, zog ich Klaus in unser Arbeitszimmer.
Die Tür schloss ich mit einer Entschlossenheit, die meine innere Nervosität verbarg.
„Klaus“, begann ich ruhig, meine Stimme fester, als ich mich fühlte. „Wir müssen reden. Es geht um die Finanzen, die du Renate anvertraust.“
Er lehnte sich in seinen Ledersessel zurück, ein Lächeln spielte um seine Lippen. „Lena, ich habe dir doch gesagt, das ist Renates Sache. Meine Mutter kümmert sich um alles.“
„Nein, Klaus, das tut sie nicht“, erwiderte ich, mein Blick fest auf ihn gerichtet. „Ich habe Dinge herausgefunden, die dich interessieren sollten.“
Ich holte mein Handy hervor, öffnete die Galerie und zeigte ihm die Fotos der Überweisungsbelege. Ich hatte sie nicht ausgedruckt, um keine physische Spur zu hinterlassen, falls er sie finden sollte.
„Das hier“, sagte ich und deutete auf eine der Aufnahmen. „Das sind Überweisungen von Renate an die Bau-Projekt GmbH. Hunderttausende Euros. Diese Firma gehört Gunther. Und Gunther baut sich eine protzige Villa in Köln, mit Geld, das nicht von ihm stammt.“
Klaus’ Lächeln verschwand. Seine Augen verengten sich, als er die Bilder auf dem Bildschirm musterte. Eine Mischung aus Unglauben und Ärger spiegelte sich in seinem Gesicht wider.
„Was ist das für ein Unsinn, Lena?“, fragte er scharf, seine Stimme hob sich. „Wo hast du das her? Meine Mutter würde so etwas niemals tun.“
„Die Belege sind in ihrem Arbeitszimmer“, erklärte ich. „Und die Villa steht im Internet. Es ist kein Unsinn, Klaus. Sie betrügt dich. Sie veruntreut das Geld, das du ihr gibst.“
Er schlug plötzlich mit der Hand auf den Tisch. Ein dumpfer Knall, der mich zusammenzucken ließ.
„Genug!“, brüllte er. Seine Augen blitzten vor Wut. „Was fällt dir ein, meine Mutter zu beschuldigen? Und wie kommst du überhaupt an ihre Unterlagen? Spionierst du uns aus?“
Die Anklage war ein Stich. Ich hatte gehofft, dass der Beweis ihn aufwecken würde, aber er klammerte sich an seine Illusion.
„Ich spioniere nicht“, entgegnete ich, meine Stimme war nun ruhiger, aber voller Bitterkeit. „Ich versuche nur, die Wahrheit herauszufinden, weil etwas nicht stimmt.“
„Die Wahrheit?“, er lachte hohl. „Die Wahrheit ist, du bist hysterisch, Lena. Du hast seit dem Tod deines Vaters und jetzt mit der Schwangerschaft… diese emotionalen Schwankungen. Du siehst überall Gespenster.“
Sein Blick war herablassend, als hätte er eine Diagnose gestellt. „Das ist normal in deinem Zustand, aber du musst dich zusammenreißen. Hör auf, Unsinn zu reden und noch wichtiger: Hör auf, dich in Dinge einzumischen, die dich nichts angehen.“
Ich starrte ihn an, fassungslos. Er spielte die Karte der „schwangerschaftsbedingten Hysterie“. Es war genau das, wovor ich Angst gehabt hatte.
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