Ihr Mann nannte sie unwürdig und verbrannte ihr Kleid, aber seine Feier wurde zu seinem Untergang
Die Klingel an Herrn Schmidts Tür war verrostet. Ich drückte sie zweimal, bevor ein leises Surren aus dem Inneren kam. Das Haus am Rande des Dorfes sah aus, als hätte es seit Jahrzehnten keine Farbe mehr gesehen, verdeckt von wild wucherndem Efeu. Hier lebte der “Hacker-Opa”, wie Tante Helga ihn genannt hatte. Mein Herz pochte nervös.
Die Tür öffnete sich einen Spalt. Ein kleines, hageres Gesicht mit dicken Brillen und wirrem weißem Haar spähte heraus.
„Frau Meier, nehme ich an?“, brummte eine raue Stimme.
Ich nickte hastig. „Ja, Herr Schmidt. Clara Meier. Tante Helga hat mich geschickt.“
Er musterte mich von oben bis unten. Seine Augen waren wachsam, fast misstrauisch.
„Die Helga. Ja, sie rief an. Kommen Sie rein.“ Er machte nur widerwillig Platz.
Das Innere war eine einzige chaotische Mischung aus alten Computern, Kabeln, Büchern und Tassen, die auf fast jeder Oberfläche standen. Der Geruch von altem Papier und Lötzinn hing in der Luft. Ich fühlte mich sofort fehl am Platz.
Er zeigte auf einen wackeligen Stuhl, der mit mehr Büchern als Sitzfläche bedeckt war. „Setzen Sie sich, wenn Sie einen Platz finden.“
Ich räumte vorsichtig ein paar Bücher zur Seite und setzte mich an den Rand. Mein alterndes Handy lag schwer in meiner Hand.
„Also, Helga sagt, Sie haben Ärger mit Ihrem Mann“, sagte er direkt. „Und ich soll alte Handydaten retten. Für gewöhnlich mache ich so etwas nicht.“
Seine Skepsis war nicht zu überhören. Er schien nicht daran interessiert zu sein, sich in Familiendramen zu verwickeln.
„Es ist komplizierter, Herr Schmidt“, erwiderte ich, meine Stimme zitterte ein wenig. „Es geht nicht nur um eine Scheidung. Thomas… er hat nicht nur mich verlassen. Er versucht, meinen Ruf im Dorf zu zerstören. Er lügt über mich. Und Tante Helga glaubt, er hat noch mehr getan.“
Ich erzählte ihm von der Verleumdungskampagne, von den Gerüchten über meine angeblichen psychischen Probleme und die Gier nach Geld. Davon, wie Thomas mein Festtagskleid verbrannt hatte, ein Symbol all unserer gemeinsamen Jahre. Jedes Wort tat weh, es noch einmal auszusprechen.
„Tante Helga ist überzeugt, dass er das schon lange geplant hat. Sie hat Notar Gruber erwähnt. Und sie meinte, vielleicht stecken auf seinem alten Handy – diesem hier – noch Beweise. Bevor er es entsorgt oder verkauft hat.“ Ich schob das alte, zerkratzte Smartphone über den Tisch zu ihm. Es war ein älteres Modell, das Thomas vor einigen Monaten durch ein neueres ersetzt hatte.
Herr Schmidt hob das Handy auf und drehte es in seinen knochigen Fingern. Er zuckte mit den Schultern.
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