Chapter 6: Das Echo der Wahrheit

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Ich wartete in einem schmalen Gang zwischen zwei Verkaufsständen, abseits des Festtrubels, wo die Laternen nur ein schwaches, ungleichmäßiges Licht warfen. Der Geruch von glimmenden Holzscheiten und kühler Abendluft lag in der Luft. Mein Herz schlug ruhig, aber mein ganzer Körper war angespannt.

Nach wenigen Minuten hörte ich Schritte. Thomas. Er kam um die Ecke, sein Gesicht war eine Mischung aus Wut und Unsicherheit.

„Was soll das, Clara?“, zischte er. „Ich habe dir gesagt, du sollst dich fernhalten. Du ruinierst meinen Abend!“

Ich sagte nichts. Ich trat nur einen Schritt zur Seite, um auf einen kleinen, notdürftig aufgebauten Tisch zu zeigen, der als Ablage für leere Biergläser diente. Darauf lag, unübersehbar, sein altes Handy.

Thomas’ Blick fiel auf das Gerät. Sein Gesicht wurde augenblicklich kreidebleich. Er starrte es an, als wäre es eine Giftschlange.

„Woher… woher hast du das?“, stammelte er, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Ich hob mein Handy und spielte ein kurzes Video ab. Es war keine Nachricht, sondern ein Clip von Saskia, der Thomas eine Kuss zuwarf, während sie gleichzeitig ihre Augen verdrehte und einen abfälligen Kommentar über meine „Langeweile“ machte. Es war kurz, aber vernichtend. Ein Schnappschuss ihres wahren Gesichts.

Thomas’ Augen flackerten. Er versuchte, sich zu fassen. „Das ist… das ist gefälscht! Das ist alles Unsinn, Clara! Du bist hysterisch! So, wie die Leute sagen!“ Er wich einen Schritt zurück.

Ich legte wortlos sein altes Handy auf den Tisch. „Herr Schmidt hat nicht nur das gefunden, Thomas. Er hat alles wiederhergestellt. Alle Textnachrichten. Die romantischen, die beleidigenden über mich. Und vor allem: die Nachrichten über den Heimatverein.“

Er schüttelte den Kopf, sein Versuch zu leugnen war halbherzig. Seine Augen waren auf den Bildschirm des alten Handys fixiert. Er hob es zögernd auf.

Ich zwang ihn nicht, es zu lesen. Ich wusste, dass er es bereits tat. Sein Blick huschte über die Nachrichten zwischen ihm und Saskia. Die Absprachen über ihre geheimen Treffen, die Spitznamen, die Verabredungen, die Lügen, die er mir aufgetischt hatte, während er mit ihr zusammen war. Ich sah, wie sich sein Gesicht verfinsterte, als er die beleidigenden Kommentare über mich las. Wie er sich über meine „Naivität“ lustig gemacht hatte, über meine „unendliche Geduld“, die er als Schwäche interpretierte.

Dann kam der eigentliche Schlag. Seine Augen verweilten auf den Konversationen mit Notar Gruber. Die detaillierten Pläne zur Veruntreuung der Heimatvereinsgelder. Die Absprachen über die „unauffälligen Überweisungen“ für ihr „gemeinsames Investitionsprojekt“. Der Betrug, der seine öffentliche Integrität völlig zerstörte. Die Worte, die er geschrieben hatte, um seinen Verrat zu planen, wurden nun zu seiner Anklage.

Er ließ das Handy sinken, seine Hand zitterte. „Clara, das… das ist ein Missverständnis! Das kann ich erklären! Saskia… sie hat mich dazu überredet! Sie ist diejenige, die…“

„Red dich nicht raus, Thomas“, sagte ich, meine Stimme war kühl und fest. „Diese Nachrichten sind von deinem Handy. Du hast sie geschrieben. Du hast diese Pläne mit Notar Gruber geschmiedet, um den Heimatverein auszurauben, damit du und Saskia ein neues Leben anfangen könnt.“

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