Ich saß an meinem Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer. Meine Hände zitterten leicht, als ich die Unterlagen der Bank aus dem Ordner zog.
Der Tag nach der Konfrontation mit Claudia hatte sich angefühlt wie ein Schlag in die Magengrube. Ich musste einen Anwalt finden, aber dafür brauchte ich Zugang zu meinen Finanzen.
Ich meldete mich bei unserem gemeinsamen Online-Banking an. Das Flitterwochen-Konto, das Anja und ich für unsere Weltreise angelegt hatten, sollte mein erster Schritt sein. Es war eine Art Symbol für unseren Neuanfang.
Die Website lud. Ich tippte mein Passwort ein, die Seite wechselte. Dann sah ich es.
Ein großer, roter Schriftzug: “Konto gesperrt”. Darunter die knappe Begründung: “Unregelmäßigkeiten bei der Kontoführung.” Mein Herz sackte mir in die Hose. €42.000, unsere gesamte Ersparnis für die Weltreise, waren nicht mehr zugänglich.
Die Bankverbindung, die uns ein sorgenfreies Abenteuer versheißen sollte, war nur ein paar Klicks entfernt in sich zusammengebrochen. Es fühlte sich an wie ein kalter Hauch auf meiner Haut. Das konnte kein Zufall sein.
Ich wusste sofort, wer dahintersteckte. Claudias Drohung, Anjas Bäckerei zu sabotieren, hallte in meinem Kopf wider. Dies war nicht Anjas Bäckerei, aber es war unser gemeinsamer Traum. Dieser Angriff zielte direkt auf unsere Zukunft. Es war die Art von persönlicher Grausamkeit, die nur Claudia zustande bringen konnte.
Sie wusste, wie wichtig diese Reise für Anja war. Sie wusste, dass wir davon sprachen, all die Länder zu besuchen, die Anja seit ihrer Kindheit sehen wollte. Dieses Konto war nicht nur Geld. Es war die Verkörperung eines Versprechens.
Ich starrte auf den Bildschirm, meine Gedanken rasten. Wie sollte ich Anja das erklären? Ihre Augen würden sich mit Enttäuschung füllen, wenn sie hörte, dass unsere Weltreise, die wir so sorgfältig geplant hatten, nun in Trümmern lag. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals.
Ich hörte ihre Schritte auf dem Flur. Sie summte leise ein Lied, vermutlich stellte sie sich gerade vor, wie wir durch die Gassen von Marrakesch schlenderten oder die Fjorde Norwegens erkundeten. Eine Welle der Schuld überrollte mich. Ich hatte ihr diese Probleme eingebrockt.
„Heiner, bist du fertig mit den Zahlen?“
Anjas Stimme klang fröhlich, unbekümmert. Sie trat ins Arbeitszimmer, ein Notizbuch in der Hand, auf dessen Umschlag sie ein kleines Segelboot gekritzelt hatte. Ihre Augen strahlten.
„Ich habe noch ein paar tolle Hostels in Südamerika gefunden, die wir uns ansehen könnten. Und ein Kochkurs in Thailand! Ist das nicht aufregend?“
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