Anja saß am Küchentisch, ihre Hände um eine Tasse Kaffee geklammert. Ihr Blick war leer, auf die gefliesten Wände gerichtet, aber ich wusste, dass ihre Gedanken weit entfernt waren.
Die Nachricht über das gesperrte Konto hatte sie zutiefst getroffen. Ich konnte ihre Enttäuschung riechen, fühlen. Ihr Gesicht war noch blasser als sonst, die Schatten unter ihren Augen tiefer.
Ich setzte mich ihr gegenüber, versuchte, ihre Hand zu nehmen, doch sie zog sie langsam weg. Es war keine abweisende Geste, eher eine schützende. Ich verstand. Sie schützte sich vor dem Schmerz.
„Die Bank hat immer noch keine klare Antwort gegeben“, sagte ich. „Sie sprechen von ‚internen Ermittlungen‘.“
Es war die Wahrheit, aber nicht die ganze. Ich hatte die Bank kontaktiert, und sie waren vage geblieben. Das war typisch, wenn jemand mit Einfluss seine Finger im Spiel hatte.
Anja nickte nur, ihre Augen blieben auf die Tasse gerichtet. Sie sprach nicht, ihre Stille war lauter als jeder Vorwurf.
„Ich weiß, dass das schwer zu verstehen ist“, versuchte ich. „Aber ich kümmere mich darum. Ich werde nicht ruhen, bis das geklärt ist.“
Sie sah mich endlich an. Ihre Augen waren voller Fragen, die sie nicht auszusprechen wagte. Eine traurige Ironie spielte in ihrem Blick.
„Heiner, ich… ich vertraue dir“, sagte sie leise. „Aber ich spüre, dass du mir nicht die ganze Wahrheit sagst.“
Mein Herz klopfte schneller. Ich hatte gehofft, sie könnte es ignorieren, bis ich eine Lösung hatte. Aber Anja war zu scharfsinnig.
„Was meinst du, Anja?“
„Ich weiß, dass du Probleme mit deiner Familie hast“, fuhr sie fort. „Ich habe es gesehen, als du mit Claudia gesprochen hast. Und jetzt das Konto. Es ist zu viel Zufall, Heiner.“
Ihre Worte waren wie kleine Nadelstiche. Sie hatte alles beobachtet, alles gespürt. Ich hatte sie unterschätzt.
Ich seufzte. „Es ist kompliziert, Liebling.“
„Das ist immer deine Antwort“, sagte sie, ihre Stimme wurde fester. „Und ich verstehe, dass du mich schützen willst. Aber ich bin deine Frau, Heiner. Ich bin nicht aus Zucker. Ich brauche die Wahrheit, wenn wir das gemeinsam durchstehen sollen.“
Sie hatte recht. Ich hatte sie wieder einmal klein geredet. Mein alter Reflex, Probleme alleine zu lösen oder zu vertuschen, kam zum Vorschein.
„Ich bin nicht sicher, dass du das hören willst“, murmelte ich.
Sie sah mich direkt an. „Versuch es. Bitte.“
Ich erzählte ihr von Julias Aussage, von Claudias Drohungen und ihren finanziellen Machenschaften. Ich ließ die Details über die €75.000 und die gefälschten Dokumente noch weg. Ich wollte sie nicht überfordern.
„Claudia hat mich gewarnt“, sagte ich. „Sie hat gesagt, sie würde dafür sorgen, dass meine ‚neue Ehe‘ leidet, wenn ich das Thema Lena weiter verfolge.“
Anjas Augen wurden groß. Sie schluckte schwer. „Das… das ist ja unglaublich. Sie würde so etwas tun?“
„Sie hat es getan“, korrigierte ich sie. „Das Konto ist der Beweis.“
Sie schüttelte den Kopf. Ihr Blick war eine Mischung aus Schock und Enttäuschung. „Aber… warum? Warum sollte sie uns so schaden wollen? Was hat sie davon?“
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