Chapter 2: Die Tasse Tee

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Das schmutzige Geheimnis meiner Tante, das fast unsere Familie zerstörte und unser Erbe kostete

Chapter 1: Das “Beruhigungsmittel”

Chapter 2: Die Tasse Tee

Chapter 3: Die alte Lagerhalle

Chapter 4: Jonas Richters Ultimatum

Chapter 5: Die verschlüsselte Festplatte

Chapter 6: Das erzwungene Geständnis

Chapter 7: Der Preis der Wahrheit

Chapter 8: Eine lange Zeit später

Ich saß am Küchentisch und malte mit Buntstiften auf einem großen Blatt Papier. Das Krankenhausbett und die vielen Kabel waren noch frisch in meinem Kopf, aber ich wollte sie nicht malen. Stattdessen zeichnete ich Tante Katrin. Sie trug ihr elegantes, weinrotes Kleid, genau wie an dem Morgen, als Papa zusammengebrochen war.

Mama setzte sich neben mich. Sie sah müde aus, ihre Augen waren rotgerändert.

„Was malst du da, Schatz?“, fragte sie sanft.

Ich hielt ihr das Bild hin. „Tante Katrin und Papa.“

Auf dem Bild reichte Tante Katrin Papa eine Tasse. Dampf stieg daraus auf. Papa lächelte, so wie er immer lächelte, wenn Tante Katrin zu Besuch war.

Mama sah sich das Bild genau an. „Das ist schön, Luise. Aber warum die Teetasse?“

Ich zuckte die Achseln. „Tante Katrin hat gesagt, der Tee ist besonders für Papa. Dass er ihn trinken soll.“

Mama runzelte die Stirn. Papa trank nie Tee am Morgen. Er war ein Kaffeetrinker, ein großer schwarzer Kaffee. Immer.

„Ich habe noch nie gesehen, dass Papa Kräutertee trinkt“, murmelte Mama mehr zu sich selbst.

„Doch, Tante Katrin hat darauf bestanden“, sagte ich. „Sie hat gesagt, der ist ganz selten und gut für ihn. Und dann hat sie was reingerieselt.“

Meine Hand, die den gelben Buntstift hielt, zitterte leicht. Ich erinnerte mich genau an das Geräusch, ein feines Rieseln, wie Zucker, der in eine Tasse fällt. Es war so leise gewesen, dass ich dachte, ich hätte es mir nur eingebildet. Aber ich hatte es gesehen. Katrin hatte ihren Rücken halb zu mir gedreht, aber ich war klein genug, um über die Küchentheke zu lugen.

Mama erstarrte. Ihr Blick wanderte vom Bild zu mir, dann zu der Stelle, wo Papas Teetasse an diesem Morgen gestanden hatte. Sie war immer noch da, auf dem Beistelltisch, wo sie gestanden hatte, als der Notarzt kam. Niemand hatte sie weggestellt.

„Was hat sie reingerieselt, Luise?“, fragte Mama. Ihre Stimme war jetzt scharf, eine neue Härte lag darin.

Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht. Es war ganz weiß. So wie Puderzucker.“

Mama stand ruckartig auf. Sie lief zur Teetasse, beugte sich darüber. Ich konnte ihren beschleunigten Atem hören. Der Rand der Tasse war noch leicht verfärbt, eine Spur von hellem Grün, der Rest des Tees war längst eingetrocknet. Es war ein teurer, seltener Kräutertee, den Tante Katrin angeblich von einer Reise mitgebracht hatte.

„Das kann doch nicht sein“, flüsterte Mama. „Das ist doch absurd.“

Sie drehte sich zu mir um, ihre Augen waren jetzt voller Entsetzen. „Bist du dir ganz sicher, Luise? Ganz, ganz sicher, dass du Tante Katrin etwas in Papas Tee rieseln sehen hast?“

Ich nickte fest. „Ja, Mama. Sie hat Papa gesagt, er soll den Kaffee weglassen. Nur diesen Tee trinken.“

Die Farbe wich aus Mamas Gesicht. Sie rief sofort Kommissar Keller an. Ihre Stimme klang angespannt, sie versuchte, ruhig zu bleiben, aber ich hörte die Panik in ihr.

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