Chapter 2: Die verschwundenen Namen

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Ihr Ehemann beschuldigte sie der Untreue wegen eines Muttermals – doch die Wahrheit war ein dunkles Familiengeheimnis.

Chapter 1: Das Zeichen des Unglücks

Chapter 2: Die verschwundenen Namen

Chapter 3: Die Reporterin mit den alten Geschichten

Chapter 4: Grubes kleine Gefälligkeiten

Chapter 5: Das böhmische Testament

Chapter 6: Leos wahres Erbe

Chapter 7: Die lautlose Anerkennung

Chapter 8: Ein Leben ohne „Wir“

Ich konnte nicht länger tatenlos bleiben. Leo war das Einzige, was mir noch geblieben war, und ich würde nicht zulassen, dass seine Zukunft oder mein guter Name zerstört wurden. Nach den schockierenden Enthüllungen über das Muttermal in den Richter-Familienalben und Stefans eigener Familiengeschichte wusste ich, dass die Wahrheit irgendwo in den Aufzeichnungen versteckt sein musste.

Mein erster Weg führte mich zum örtlichen Standesamt.

Der Geruch von altem Papier und Reinigungsmitteln hing schwer in der Luft, als ich das unscheinbare Gebäude betrat. Hinter einem großen Schreibtisch saß Herr Gruber, ein Mann mit dünnem Haar und einem misstrauischen Blick, der sich hinter dicken Brillengläsern versteckte. Er wirkte, als wäre er schon zu lange an diesem Ort gefangen.

Ich erklärte mein Anliegen, so ruhig wie möglich.

„Ich bräuchte bitte Einsicht in die Geburtsregister der Familie Richter, insbesondere die der letzten beiden Jahrhunderte“, sagte ich, meine Stimme war fester, als ich mich fühlte.

Herr Gruber schob seine Brille zurecht und musterte mich.

„Richter? Warum das? Das ist eine große Familie hier. Das sind viele Register.“

Seine Stimme war trocken, ohne jede Freundlichkeit.

„Es geht um eine Familienangelegenheit, eine Erbschaftsfrage“, log ich, denn die Wahrheit war zu komplex und zu persönlich, um sie einem Beamten zu erzählen, der offensichtlich keine Lust hatte, sich zu bemühen.

Er seufzte laut, ein Geräusch, das wie das Knarren einer alten Tür klang.

„Das dauert. Sie brauchen einen guten Grund. Und wer sind Sie überhaupt?“

Ich zeigte ihm meinen Ausweis, nannte meinen Namen, Anya Kowalski, und erwähnte, dass ich die Ehefrau von Klaus Richter sei. Bei dem Namen Richter schien er kurz innezuhalten, seine Augenbrauen zuckten kaum merklich. Es war nur ein Wimpernschlag, aber ich bemerkte es.

„Frau Richter, Sie sind doch aus dem Ausland, oder? Haben Sie überhaupt das Recht auf so alte Dokumente?“

Seine Frage war mehr eine Feststellung, durchtränkt von einer feindseligen Skepsis, die ich aus vielen Behördengängen als Immigrantin kannte.

„Als Ehefrau habe ich ein berechtigtes Interesse an der Geschichte meines Mannes und seiner Familie“, konterte ich, meine Stimme wurde schärfer.

Er murmelte etwas Unverständliches, stand dann widerwillig auf und verschwand in einem Gang voller Regale. Minuten vergingen, die sich wie Stunden anfühlten. Ich hörte das Rascheln von Papier, das Schieben von Ordnern. Meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Würde ich hier etwas finden? Oder war meine Suche nur ein verzweifelter Versuch, etwas zu beweisen, das niemand sehen wollte?

Als Herr Gruber zurückkam, trug er mehrere schwere, ledergebundene Bücher. Er legte sie mit einem dumpfen Schlag auf den Tisch.

„Hier sind die Register ab 1850. Was Genaues suchen Sie denn?“

Ich blätterte vorsichtig durch die Seiten, die vergilbt und brüchig waren. Namen, Daten, kleine Notizen in alter deutscher Schrift. Ich suchte nach dem Namen Richter und den Vermerken über Geburten. Es war eine mühsame Arbeit, die ich mir unendlich viel leichter vorgestellt hatte. Ich spürte, wie sich der Druck in meiner Brust aufbaute.

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