Ihr Mann wünschte sich unbedingt einen Sohn. Nach 4 Töchtern kam er endlich, doch seine Worte enthüllten eine entsetzliche Wahrheit.
Meine Liste der Namen aus dem “Ağaç Dalı”-Zweig der Voss-Familie, die noch in der Nähe lebten, war kurz, aber vielversprechend.
Ein Name stach hervor: Moritz Klein.
Ich erinnerte mich daran, dass Jens in den letzten Monaten immer wieder von ihm gesprochen hatte, oft mit einer Mischung aus Herablassung und einer seltsamen Art von Besorgnis.
Moritz war ein entfernter Cousin, dessen Familie von Jens’ direkter Linie als “einfach” und “traditionell verachtet” galt.
Aber Jens hatte ihn in letzter Zeit häufiger erwähnt, sogar zu einem Familienessen eingeladen, was ungewöhnlich war.
Ich musste Moritz begegnen, seine Reaktion beobachten.
Ohne Jens’ Misstrauen zu wecken, war das nicht einfach.
Ich wusste, Moritz arbeitete als Gärtner auf dem örtlichen Friedhof, ein Ort der Stille und der Begegnungen, an dem meine Anwesenheit nicht auffällig wirken würde.
An einem milden Nachmittag, Max schlafend im Kinderwagen, meine vier Töchter in der Schule, machte ich mich auf den Weg zum Friedhof.
Der Wind spielte mit den Blättern der alten Bäume, ein melancholisches Rascheln begleitete mich.
Ich suchte Moritz zwischen den Gräbern, sein Name war auf meiner Liste, die in meiner Tasche lag.
Er war leicht zu erkennen, wie er mit festem Griff einen Spaten in die Erde stieß.
Seine Schultern waren breit, sein Gesicht wettergegerbt.
Er sah auf, als ich näherkam, seine Augen waren wachsam, aber auch ein wenig müde.
“Guten Tag, Moritz”, sagte ich freundlich, meine Stimme ruhig.
“Elara? Was führt dich hierher?”, fragte er, sein Ton war überrascht, vielleicht sogar ein wenig misstrauisch.
Er wischte sich die Erde von den Händen, aber seine Augen fixierten mich.
Ich wusste, ich musste einen plausiblen Grund vorschieben.
“Ich wollte das Grab meiner Urgroßmutter besuchen. Lange nicht mehr gewesen”, log ich sanft.
“Und dann habe ich dich gesehen. Ich wusste gar nicht, dass du hier arbeitest.”
Es war nur eine halbe Lüge; die Urgroßmutter lag tatsächlich hier begraben, wenn auch in einem anderen Bereich.
Moritz nickte.
“Ja, seit ein paar Jahren.”
Er sah zu Max im Kinderwagen und sein Blick verweilte dort einen Moment zu lang.
Ein Ausdruck huschte über sein Gesicht, etwas zwischen Schuld und Nervosität, das ich sofort bemerkte.
“Wie geht es Jens?”, fragte Moritz plötzlich, um das Thema zu wechseln.
Seine Stimme war zu schnell, zu forsch.
“Jens geht es gut”, antwortete ich kühl.
“Er ist ja so froh über Max. Endlich ein Junge.”
Ich legte eine kurze Pause ein, meine Augen auf Moritz gerichtet.
“Er hat ja immer so große Stücke auf die Familientradition gehalten. Die ‘reine’ Linie, weißt du?”
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