Hochschwanger im Krankenhaus: Meine Eltern wiesen mich ab, also kündigte ich ihre Hausbürgschaft
Die Luft vor dem Krankenhaus war frisch und scharf, und zum ersten Mal seit Wochen fühlte ich mich nicht von Krankenhausgeruch und Verzweiflung erdrückt. Die Entlassungspapiere in meiner Hand waren eine Art Freifahrtschein, auch wenn ich mich noch lange nicht „frei“ fühlte. Mein Zuhause, das ich mit Markus geteilt hatte, war leer. Er war weg, wie ein böser Traum, der beim Erwachen verschwindet, aber die Spuren hinterlässt. Die Schwangerschaft fühlte sich jetzt wie eine unermessliche Last an, die ich allein tragen musste, aber auch wie ein unerwartetes Geschenk, das mir die Kraft gab, nicht zusammenzubrechen.
Ich hatte kaum die Tür zu meiner Wohnung aufgeschlossen, da klingelte mein Handy. Es war Renate, meine Mutter. Ich zögerte, den Anruf anzunehmen, aber ich wusste, dass sie nicht lockerlassen würde. Ihre Anrufe hatten seit meiner Zeit im Krankenhaus eine neue Intensität angenommen, eine unheilvolle Dringlichkeit, die mich frösteln ließ.
„Kathi, endlich! Ich habe mir Sorgen gemacht, wo du steckst“, sagte sie, ihre Stimme klang nicht nach echter Sorge, sondern nach angespannter Geduld.
„Ich bin gerade aus dem Krankenhaus gekommen, Mama“, erklärte ich kühl. „Es ging nicht schneller.“
„Ach, so ist das“, erwiderte sie, und ich hörte das leichte Zirpen von Missbilligung in ihrer Stimme. „Nun, gut, dass du wieder zu Hause bist. Ich rufe wegen der Bürgschaft an.“
Mein Magen zog sich zusammen. „Ich weiß, Mama. Ich muss mich erstmal sammeln.“
„Sammeln? Was gibt es denn da zu sammeln, Kind? Die Unterlagen liegen schon seit Tagen beim Notar, und die Frist läuft bald ab. Dein Vater wird ungeduldig. Die Bank auch.“ Sie klang, als würde sie eine Checkliste abarbeiten.
Ich presste die Lippen zusammen. „Ich werde das erledigen, wenn ich so weit bin.“
„Aber du *bist* so weit, Kathi“, sagte sie, und nun war ein schneidender Ton in ihrer Stimme, den ich nur zu gut kannte. „Das ist keine Kleinigkeit, das weißt du. Das ist wichtig für die ganze Familie. Für unseren Ruf. Für unsere Zukunft.“
Mein Puls beschleunigte sich. „Und was ist mit *meiner* Zukunft, Mama? Und der meines Kindes? Nach allem, was passiert ist?“
Ein Moment der Stille. Dann seufzte sie theatralisch. „Ach, Kathi, immer dieses Drama. Das Kind ist in Sicherheit, du bist in Sicherheit. Markus ist… nun ja, Markus ist sein eigenes Problem. Aber das hat nichts mit den Finanzen zu tun. Die Bürgschaft ist eine separate Angelegenheit, eine reine Formalität.“
„Eine Formalität, die mein ganzes Leben ruinieren könnte, wenn Markus’ Geschäft scheitert“, konterte ich, und Dr. Beckers Worte klangen in meinem Kopf wider. „Wissentlich verschwiegene Tatsachen.“
„Ach Quatsch, das scheitert nicht! Dein Vater hat sich das genau angesehen“, behauptete sie, doch ich hörte die Unsicherheit in ihrer Stimme. Sie wusste von den Gerüchten über Markus, und sie wusste, dass Helmut nur das sehen wollte, was er sehen *wollte*.
„Hör mal, Kathi“, fuhr sie fort, und ihre Stimme nahm einen besorgten, fast mütterlichen Ton an, der mich am meisten misstrauisch machte. „Ich habe heute Morgen kurz mit Frau Schubert gesprochen.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Frau Gerda Schubert. Die Vorsitzende der Landfrauen, die gute Seele der Gemeinde, die alles wusste und alles sah. Eine Frau, deren Meinung zählte. Eine Frau, die Klatsch verbreiten konnte wie keine andere, auch wenn sie es „Besorgnis“ nannte.
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