Die Diagnose von Dr. Schmidt brannte sich in mein Gedächtnis ein, jede einzelne Silbe ein Stachel in meinem Herzen. Während Lena in der Klinik schlief, völlig erschöpft von ihren Tränen und dem Schock, saß ich am Bettrand meines Sohnes. Das leichte Piepsen der Überwachungsgeräte war das einzige Geräusch im Raum. Ich sah Leos kleines, zerbrechliches Gesicht und spürte eine Wut in mir aufsteigen, die ich zuvor noch nie gekannt hatte. Jemand musste dafür bezahlen. Ursula musste dafür bezahlen.
Am nächsten Morgen, noch bevor die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge drangen, packte ich meine Entschlossenheit. Ich musste endlich handfeste Beweise finden. Mein erster Schritt war, Zugriff auf die Kontoauszüge meiner Mutter zu erhalten. Das Konto, auf das ich all die Jahre meine monatlichen 8.000 Euro überwiesen hatte, sollte eigentlich transparent sein. Ich war der Absender, der Hauptfinanzier.
Ich fuhr zur Bank, wo ich seit meiner Kindheit Kunde war. Die Mitarbeiter kannten mich, auch wenn ich lange fort gewesen war. Ich sprach mit Herrn Weber, meinem langjährigen Berater, der mich freundlich begrüßte.
„Guten Morgen, Herr Richter“, sagte er mit einem Lächeln. „Lange nicht gesehen. Wie kann ich Ihnen helfen?“
Ich setzte mich ihm gegenüber, meine Hände waren feucht. „Herr Weber, ich brauche dringend die Kontoauszüge des Kontos meiner Mutter, Ursula Richter, für die letzten fünf Jahre.“
Sein Lächeln verblasste ein wenig. „Das ist leider nicht so einfach, Herr Richter. Obwohl Sie Überweisungen getätigt haben, ist es das Konto Ihrer Mutter. Wir benötigen ihre ausdrückliche Zustimmung.“
Ich spürte eine Welle der Frustration. „Aber ich habe diese Überweisungen getätigt, um meine Familie zu unterstützen! Es geht um Betrug, um die Vernachlässigung meines Sohnes!“
Herr Weber sah mich besorgt an. „Ich verstehe Ihre Lage, aber die Bank unterliegt dem Datenschutz. Ich kann Ihnen ohne eine Vollmacht Ihrer Mutter oder einen richterlichen Beschluss keine Auskünfte erteilen.“
Diese bürokratische Hürde war ein harter Schlag. Ich musste Ursula direkt konfrontieren. Ich fuhr zur Villa, wo sie sich nach wie vor aufhielt. Ich parkte mein Auto abseits der Einfahrt, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Als ich die Haustür erreichte, stockte ich. Ich war noch nie so wütend in dieses Haus gegangen, das einmal mein Zuhause gewesen war.
Ich klingelte. Birgit öffnete die Tür, ihr Gesicht war zu einer grimmigen Maske verzerrt.
„Was willst du hier, Klaus?“, zischte sie, als hätte sie Gift geschluckt. „Hast du nicht genug Unruhe gestiftet?“
„Ich will mit Mutter reden“, sagte ich kühl. „Es geht um die Kontoauszüge.“
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