Chapter 5: Des Vetters Gewissen

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Nach der Offenbarung von Dr. Bergmann fühlte ich mich wie ein Schachspieler, der plötzlich einen König in der Hand hielt, während der Gegner nur Bauern erwartete. Ich hatte Macht, die sie nicht einmal erahnten. Doch mir fehlten noch die letzten, entscheidenden Puzzleteile, um das ganze Ausmaß ihrer Machenschaften zu verstehen.

Genau in diesem Moment, als ich am wenigsten damit rechnete, kam unerwartete Hilfe. Max Schuster, Klaus’ Cousin, der oft für die Richter-Familie „Probleme löste“, trat in mein Leben.

Ich begegnete ihm in einem kleinen Café, das ich in meiner erzwungenen Isolation zu besuchen begonnen hatte. Er saß an einem Tisch in der Ecke, wirkte nachdenklich.

Er sah mich und nickte kurz. „Lena“, sagte er, seine Stimme war leise. Er hatte etwas Müdes in den Augen, das ich noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte.

Ich setzte mich zu ihm. „Max. Was machst du hier?“

Er zuckte die Achseln. „Gedanken machen. Mir reichts langsam mit der Familie. Vor allem mit Renate.“

Sein Blick war ernst. „Was sie dir antut… das ist nicht in Ordnung, Lena. Auch wenn Klaus blind ist, ich bin es nicht.“

Ich sah ihn überrascht an. Ich hatte ihn immer als loyalen Gehilfen Klaus’ und Renates gesehen. Nie hätte ich gedacht, dass er Gewissensbisse haben könnte.

„Was meinst du?“, fragte ich vorsichtig.

„Diese Nummer mit Gunther und der Villa“, fuhr er fort, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Ich weiß, dass du Bescheid weißt. Klaus ist ein Idiot, aber du bist es nicht.“

Mein Herz raste. Max wusste es. Und er war auf meiner Seite. Ein unwahrscheinlicher Verbündeter.

„Ich habe Beweise gefunden“, sagte ich leise. „Aber ich weiß nicht, wie ich alles zusammensetzen soll.“

Max nickte. „Renate zieht die Fäden, wie immer. Aber sie ist nicht die Einzige, die Dreck am Stecken hat. Klaus… er hat sich auch verändert. Er ist tiefer drin, als du denkst.“

Er lehnte sich vor. „Hör zu, Lena. Ich habe die Nase voll. Ich bin seit Jahren ihr Laufbursche. Ich will da raus. Und ich glaube, du könntest der Ausweg sein.“

„Was soll ich tun?“, fragte ich.

„Klaus führt digitale Hauptbücher“, erklärte Max. „Verschlüsselt, natürlich. Aber ich kenne den Zugang. Ich kenne die Sicherungen, die Passwörter. Er vertraut mir zu sehr.“

Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Die digitalen Hauptbücher. Das klang nach dem Kern ihrer Geschäfte.

„Was steht da drin?“, fragte ich.

Max zögerte. „Alles. Die echten Zahlen. Die echten Quellen. Es ist nicht nur Renates Betrug, Lena. Es ist größer. Viel größer. Und viel gefährlicher.“

Er zog einen kleinen USB-Stick aus seiner Tasche und schob ihn unauffällig über den Tisch zu mir. „Das ist ein Programm, das dir Zugang verschafft. Einmalig. Klaus’ Arbeitszimmer ist jetzt der einzige sichere Ort dafür.“

„Warum hilfst du mir, Max?“, fragte ich.

Er sah mich direkt an. „Weil ich einen Anstand habe, den Renate längst verloren hat. Und weil du unschuldig bist, Lena. Und das Baby erst recht. Außerdem“, er zuckte die Achseln, „will ich sehen, wie das alles explodiert. Die ganze Richter-Familie verdient es.“

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