Chapter 4: Des Vaters Geheimnis

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Die soziale Isolation war erdrückend. Tage verschwammen ineinander, erfüllt von einer ständigen inneren Unruhe. Jeder Blick, jedes verstummte Gespräch bestätigte Renates Macht. Aber ich durfte nicht aufgeben. Mein Vater hatte mir beigebracht, in schwierigen Zeiten klar zu denken, nicht in Panik zu verfallen.

Ich hatte eine weitere Aufgabe vor mir, eine, die ich schon lange vor mir hergeschoben hatte: die Erbschaftsfragen meines Vaters zu klären. Es war ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt.

Ich rief Dr. Anya Bergmann an, die Notarin, die sich seit Jahren um die Angelegenheiten meines Vaters gekümmert hatte. Sie war eine akribische, aber manchmal etwas zerstreute Frau, die die Komplexität der Rechtswelt liebte.

Sie gab mir einen Termin für die folgende Woche. Klaus zeigte kein Interesse daran, mich zu begleiten. Er war mit seinen eigenen „wichtigen“ Geschäften beschäftigt und glaubte wohl, dass die Erbschaft meines Vaters ohnehin nur Kleingeld enthielt, das für die Richter-Familie irrelevant war.

Das war gut. Ich wollte ihn nicht dabei haben.

In Dr. Bergmanns Büro roch es nach alten Akten und frisch gebrühtem Kaffee. Sie war wie immer sehr freundlich, aber auch sehr direkt.

„Lena, meine Liebe, es ist gut, dass Sie endlich kommen“, sagte sie, während sie ihre Brille zurechtrückte. „Ihr Vater war ein sehr vorausschauender Mann. Er hat alles sehr präzise geregelt.“

Ich setzte mich ihr gegenüber, mein Blick fiel auf die Stapel von Ordnern auf ihrem Schreibtisch. „Ich bin froh, dass Sie sich darum kümmern, Dr. Bergmann. Ich bin im Moment etwas… überfordert.“

Sie nickte verständnisvoll. „Ja, natürlich. Trauer, Schwangerschaft – eine schwierige Zeit. Aber Ihr Vater hat dafür gesorgt, dass Sie finanziell abgesichert sind, egal was passiert.“

Wir sprachen über verschiedene Bankkonten, kleine Investitionen, ein paar Mietwohnungen, die er besaß. Alles war in Ordnung, alles war geregelt. Es war nicht viel im Vergleich zum Reichtum der Richters, aber es war mein eigenes.

Plötzlich, während sie in einem dicken Ordner blätterte, der mit „Vermögensschutzstrukturen“ beschriftet war, hielt sie inne.

„Ah, hier ist es“, murmelte sie, mehr zu sich selbst als zu mir. „Ihr Vater war ein Meister darin, Vermögenswerte diskret zu sichern. Er wollte, dass Sie eine unabhängige Basis haben, wissen Sie? Gerade in Beziehungen mit… sagen wir mal… komplexen familiären Hintergründen.“

Sie blickte mich über ihre Brille hinweg an, ein wissendes, fast schon schelmisches Lächeln auf ihren Lippen.

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