Chapter 5: Die alte Komplizin

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Die Zimmertür von Anette stand einen Spalt offen. Clara klopfte vorsichtig, bevor sie den Raum betrat. Ich folgte ihr, mein Blick wanderte sofort zu Anette, die blass und zerzaust in einem Bett saß. Sie sah aus, als hätte sie seit Tagen nicht geschlafen.

„Anette“, sagte Clara sanft und trat näher. „Wie geht es dir?“

Anette zuckte zusammen, als sie uns sah, und ihre Augen weiteten sich vor Schock. Ein Blick voller Schuld und Verwirrung huschte über ihr Gesicht. „Clara… Lena… Was macht ihr hier?“

Clara setzte sich auf den Stuhl neben dem Bett und legte die Blumen auf den Nachttisch. „Wir machen uns Sorgen. Ich wollte sehen, wie es dir geht.“

Ich blieb etwas abseits stehen, beobachtete Anette genau. Ihre Hände zitterten leicht, als sie eine Tasse Tee hob. Es war eine erschreckende Erinnerung an den Tee, der beinahe unser Ende gewesen wäre.

„Mir geht es… gut“, sagte Anette leise, doch ihre Stimme klang hohl und unsicher. „Es tut mir alles so leid. Ich wollte das nicht. Ich wollte Markus nur… nur eine Lektion erteilen.“

Clara streichelte Anettes Hand. „Ich weiß, meine Liebe. Es war ein Fehler, aber du hattest keine bösen Absichten. Das ist wichtig.“

Ich spürte, wie sich in mir alles zusammenzog. „Keine bösen Absichten.“ Wenn Clara wüsste, wie Markus Anettes vermeintlich harmlosen Streich inszeniert hatte.

„Ich habe immer gedacht, er war so arrogant“, murmelte Anette, ihre Augen starrten ins Leere. „Er hat mich immer herablassend behandelt, seit dieser Sache mit der Boutique.“

Die Boutique. Das war das Stichwort. Ich hatte auf diesen Moment gewartet. Ich musste diesen Faden jetzt aufnehmen, um Anette dazu zu bringen, sich zu erinnern.

„Welche Boutique, Tante Anette?“, fragte ich leise, trat einen Schritt näher.

Anette zuckte erneut zusammen, als hätte sie meine Anwesenheit vergessen. Sie sah mich an, ihre Augen waren von einem seltsamen Glanz erfüllt. „Ach, das ist lange her, Lena. Dein Vater und ich… wir hatten mal eine Geschäftsidee.“

Clara schien überrascht. „Davon habe ich ja noch nie etwas gehört. Markus hat nie viel über seine früheren Unternehmungen gesprochen.“

Anette lachte bitter. „Nein, das würde er auch nicht. Es war eine Katastrophe. Er hat mich überredet, mein ganzes Erspartes zu investieren, und dann ist alles schiefgegangen.“

Diese Informationen waren wertvoll, viel wertvoller, als Anette ahnte. Sie passten perfekt zu dem, was ich in Papas Notizblock gelesen hatte, von seinen frühen finanziellen Problemen.

„Ich habe hier ein altes Fotoalbum mitgebracht“, sagte ich, zog die kleine, unauffällige Mappe unter meinem Pullover hervor. Darin waren zwar die Quittung und der Notizblock, aber außenherum hatte ich tatsächlich einige Familienfotos drapiert. „Vielleicht erinnert es dich an bessere Zeiten.“

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