Das gestohlene Familienerbstück und das Geheimnis der Schneiders
Frau Schneiders Drohungen hallten in meinem Kopf wider.
Ich war gefangen.
Aber ich konnte nicht aufgeben.
Nicht jetzt, nachdem ich so viel entdeckt hatte.
Ich erinnerte mich an Leos Erwähnung des Notars Klaus Richter.
Er hatte Richter genannt, als er von den Dokumenten seiner Mutter sprach.
Ein Name, der mir bereits im Zusammenhang mit alten Familienangelegenheiten begegnet war.
Ich musste tiefer graben.
Vorsichtig begann ich, die alten Familienunterlagen zu durchsuchen, zu denen ich als Haushälterin Zugang hatte.
Rechnungen, Korrespondenz, Bankauszüge.
Ich wusste, es war gefährlich.
Jede Minute, die ich in diesen Akten verbrachte, setzte mich einem Risiko aus.
Aber die Angst, alles zu verlieren, war stärker als die Angst vor Entdeckung.
Ich suchte nach Richters Namen.
Es dauerte Stunden.
Ich saß abends in der kleinen, ungenutzten Abstellkammer, wo alte Akten aufbewahrt wurden.
Die Luft war staubig und roch muffig.
Das Licht einer kleinen Taschenlampe war mein einziger Begleiter.
Plötzlich fand ich ihn.
Richters Name tauchte immer wieder auf.
Besonders in den Unterlagen, die Leos “Adoptionspapiere” betrafen.
Ich nannte sie in Gedanken so, auch wenn es keine Adoption im eigentlichen Sinne war.
Es ging um die rechtliche Feststellung seiner Vaterschaft.
Und um den Nachlass von Herrn Schneiders erster Frau.
Ich sah mir die Rechnungen an.
Die Zahlen waren schockierend.
Exorbitant hohe Gebühren waren an Notar Klaus Richter gezahlt worden.
Viel zu hoch für die Bearbeitung einfacher Dokumente.
Ich verglich sie mit anderen Notarrechnungen für ähnliche Dienstleistungen.
Ein Vielfaches des Üblichen.
Der Betrag war auffällig.
Es war nicht nur die Höhe.
Es war die spezifische Art der Dienstleistung.
„Bearbeitung komplexer Erbangelegenheiten und Klärung von Familienstand“.
Das war die Umschreibung.
Meine Hände zitterten, als ich die Zahlen addierte.
Diese Summen konnten nur eines bedeuten.
Schweigegelehrt.
Notar Richter war nicht nur Zeuge der Täuschung gewesen.
Er war aktiv daran beteiligt.
Er hatte die falschen Dokumente bearbeitet.
Er hatte geholfen, Leos wahre Herkunft zu verschleiern.
Und er hatte dafür eine Menge Geld bekommen.
Die Korruption war tief.
Tiefer, als ich es mir je hätte vorstellen können.
Dieses Netzwerk von Lügen reichte weit über die Familie Schneider hinaus.
Es umfasste auch offizielle Stellen.
Ein mächtiger Notar hatte seine Hände im Spiel.
Das machte die Sache noch gefährlicher.
Und noch dringlicher.
Richter war ein integrierter Bestandteil der langjährigen Täuschung, die nun das Fundament der Schneiders zu sein schien.
Ich war nicht nur mit Frau Schneider konfrontiert.
Ich war mit einem ganzen System von Lügen konfrontiert.
Und dieses System war bereit, alles zu tun, um sich selbst zu schützen.
Mein Kopf schwirrte.
Wie sollte ich diesen mächtigen Mann entlarven?
Ich hatte keine Beweise gegen ihn.
Nur diese hohen Rechnungen.
Und das Geständnis von Leo.
Würde das genügen?
Würde man mir glauben?
Ich war immer noch nur die entlassene Haushälterin.
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