Chapter 5: Lenas Kalkül

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Lena saß in einem kleinen Café in einem abgelegenen Viertel, fernab der neugierigen Blicke der Bruderschaft. Ihr Latte Macchiato stand unberührt vor ihr. Ihre Freundin Sarah, ebenfalls ein Mitglied der Bruderschaft, aber in einer weniger exponierten Position, saß ihr gegenüber.

„Er hat mich gerade angerufen“, sagte Lena, ihre Stimme zitterte leicht. „Markus ist außer sich.“

Sarah blickte sie besorgt an. „Was ist passiert?“

„Der Älteste hat sein Erbe eingefroren“, flüsterte Lena. „380.000 Euro. Und die Hochzeit ist ausgesetzt. Vorerst.“

Sarah riss die Augen auf. „Das ist… das ist schlimm, Lena.“

Lena nickte, ein Ausdruck der Verzweiflung huschte über ihr Gesicht.

„Es ist noch schlimmer“, sagte sie. „Er hat mich beschuldigt, ihn nicht gewarnt zu haben. Wegen der Schwangerschaft.“

Ein Moment der Stille folgte. Lena legte ihre Hände um die Tasse, obwohl der Kaffee kalt war.

„Ich wusste es, Sarah“, gestand sie schließlich, ihre Stimme kaum hörbar. „Ich wusste, dass Clara schwanger war.“

Sarahs Blick verhärtete sich. „Du wusstest es? Und hast es Markus verschwiegen?“

Lena schluckte schwer. „Ich… ich wollte ihn nicht in Panik versetzen. Und ich dachte, wir könnten schnell genug heiraten.“

Sie hatte Markus’ Aufmerksamkeit um jeden Preis auf sich ziehen wollen, seine Liebe sichern, bevor Clara ihm mit ihrem Kind dazwischenfunken konnte. Eine kleine, gemeine Geste war es gewesen, Markus’ Briefe von Clara abzufangen, in denen sie von ihrer wachsenden Angst um das Kind und ihrer beginnenden Übelkeit schrieb. Lena hatte sie Markus nie gezeigt, sie als „unnötigen Ballast“ abgetan.

„Ich dachte, wenn wir erst einmal verheiratet sind, wäre das Problem vom Tisch“, erklärte Lena. „Die Bruderschaft hätte das vielleicht übersehen, wenn er schon in festen Händen wäre.“

Ihr Plan war gewesen, Markus’ Aufmerksamkeit von Clara abzulenken und ihn fest an sich zu binden. Sie hatte gehofft, dass die Eheschließung sie vor den Konsequenzen schützen würde.

„Du hast Markus absichtlich in eine Falle tappen lassen“, sagte Sarah ungläubig. „Das ist… gefährlich.“

Lena zuckte mit den Achseln, eine Mischung aus Reue und Kalkül in ihren Augen.

„Ich wollte meine eigene Position sichern, Sarah“, verteidigte sie sich. „Markus ist meine Chance. Er hat Einfluss. Ich kann nicht zulassen, dass Clara das zerstört.“

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