Der Tag des Krisentreffens brach an wie ein grauer Schleier. Meine Nerven lagen blank.
Wir saßen im Büro von Dr. König, der Direktorin des Gymnasiums. Das Zimmer war schlicht, aber die Atmosphäre war erdrückend.
Dr. König saß hinter ihrem großen Schreibtisch, ihr Blick war streng, aber fair. Mein Vater und Anne saßen mir gegenüber, beide wirkten angespannt.
Frau Steiner war auch da. Sie saß abseits, ihre Arme vor der Brust verschränkt, ein triumphierendes Grinsen auf ihrem Gesicht. Sie war in ihrem Element.
„Frau Richter, wir haben uns heute hier versammelt, um die schwerwiegenden Vorwürfe der Spendengelder-Veruntreuung zu klären“, begann Dr. König mit ernster Stimme. „Frau Steiner, ich bitte Sie, Ihre Anschuldigungen noch einmal vorzutragen.“
Frau Steiner rückte auf ihrem Stuhl zurecht. „Die Beweise liegen auf der Hand“, krächzte sie. „Frau Richter hat systematisch Spendengelder abgezweigt, um sich ein luxuriöses Leben zu ermöglichen. Sie ist eine Diebin, eine Betrügerin!“
Ihre Stimme wurde lauter, schneidender. „Sie war schon immer so. Eine Glücksjägerin, die alles nimmt, was nicht ihr gehört. Genau wie sie mir meinen Mann gestohlen hat!“
Ein Murren ging durch den Raum. Ich sah, wie Annes Gesicht vor Scham rot wurde.
Mein Vater ballte die Hände zu Fäusten. Ich legte meine Hand auf seinen Arm, um ihn zu beruhigen.
„Frau Steiner, bleiben Sie bitte bei den Fakten“, mahnte Dr. König, doch ihr Blick war auf Anne gerichtet, als würde sie jeden ihrer Gesichtsausdrücke abtasten.
Ich konnte es nicht länger mit ansehen. Es war Zeit.
Ich holte tief Luft und zog das Bündel alter Briefe aus meiner Tasche.
„Frau Dr. König, wir haben hier einige Dokumente, die Licht in die wahren Motive dieser Anschuldigungen bringen könnten“, sagte ich, meine Stimme zitterte leicht, aber ich zwang mich, fest zu bleiben.
Ich legte Frau Steiners wütenden Brief an meinen Vater auf den Tisch, den ich gefunden hatte.
„Dieser Brief wurde vor Jahren von Frau Steiner an meinen Vater geschrieben“, erklärte ich. „Darin beschreibt sie ihren finanziellen Ruin und macht Anne für all ihr Unglück verantwortlich. Sie nennt sie eine Diebin, eine Betrügerin – dieselben Anschuldigungen, die sie heute wiederholt.“
Frau Steiner fuhr herum. „Das ist Privatkorrespondenz! Wie kommen Sie dazu, das hier vorzulegen?“ Ihr Gesicht war blass vor Wut.
„Es zeigt Ihr Motiv, Frau Steiner“, sagte ich fest. „Ihren tief sitzenden, wahnhaften Hass auf Anne. Ihre finanziellen Probleme sind real, aber Ihre Anschuldigungen sind es nicht.“
Dr. König nahm den Brief und las ihn schnell durch. Ihre Stirn legte sich in tiefe Falten.
In diesem Moment öffnete sich die Tür. Herr Klaus Schmidt trat herein.
Er nickte Dr. König zu, die ihn überrascht ansah. „Herr Schmidt? Was kann ich für Sie tun?“
„Dr. König, ich glaube, ich kann in dieser Angelegenheit eine wichtige Perspektive beisteuern“, sagte Herr Schmidt ruhig. „Ich habe die Unterlagen meiner früheren Arbeit als Kommissar durchgesehen und auch im Gemeindearchiv recherchiert.“
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