Der Gerichtssaal war voll.
Nicht nur Anwälte und Richter waren anwesend, sondern auch viele Gesichter aus Die Gemeinschaft des Friedens.
Sie saßen in den Zuschauerreihen, ihre Gesichter waren eine Mischung aus Neugier, Angst und offener Verurteilung.
Ich saß auf der Zeugenbank, mein Blick war fest auf Lukas gerichtet.
Er saß an der Seite seines Anwalts, immer noch mit der Weste Elias’.
Seine Miene war die eines Mannes, der die volle Kontrolle hatte.
Doch ich wusste, dass dies nur eine Fassade war.
Der Staatsanwalt begann sein Kreuzverhör.
Er legte Elias’ Tagebucheinträge vor.
Jedes Wort, das vorgelesen wurde, war ein Stich ins Herz.
Die detaillierten Beschreibungen der Manipulationen, der „Spiele“, der wachsenden Angst Elias’.
Lukas’ selbstsichere Fassade begann zu bröckeln.
Ich sah, wie sein Kiefer sich anspannte, wie seine Augen unruhig durch den Saal huschten.
Als der Staatsanwalt Dr. Brandts detaillierte Berichte über die internen Machenschaften der Splittergruppe vorlegte, die Lukas direkt mit dem Tod seines Bruders in Verbindung brachten, brach Lukas’ Haltung endgültig zusammen.
Er sprang auf.
„Das ist alles eine Lüge!“, brüllte er.
Seine Stimme hallte durch den Saal.
„Mein Vater und diese… diese Abtrünnige wollen mich nur zerstören!“
Der Richter schlug mit dem Hammer.
„Ordnung! Herr Weber, setzen Sie sich!“
Lukas ignorierte ihn.
Er drehte sich zu seinen Anhängern in den hinteren Reihen um.
„Ihr wisst, was zu tun ist!“, schrie er panisch.
„Thomas und seine Familie… Sie müssen zum Schweigen gebracht werden! Sie dürfen nicht reden!“
Ein Raunen ging durch den Saal.
Die Gesichter der Gemeindemitglieder versteinerten.
Der Richter war sichtlich irritiert.
Lukas’ Anwalt zog ihn gewaltsam zurück auf seinen Stuhl.
Der Staatsanwalt sah zufrieden aus.
Dann hob er eine Hand.
„Euer Ehren, ich habe hier noch ein letztes Beweismittel.“
Er reichte dem Richter ein kleines Aufnahmegerät.
„Dies wurde mir von Hauptkommissar Müller zur Verfügung gestellt.“
Ein Schock ging durch den Saal.
Müller?
Ich sah zu Lukas.
Sein Gesicht war bleich.
Ich verstand sofort.
Müller hatte Lukas’ Bestechungsversuch aufgezeichnet.
Hauptkommissar Müller, der im hinteren Teil des Saales saß, erhob sich.
Sein Gesicht war ernst.
Er hatte sich doch nicht bestechen lassen.
Er hatte abgewartet.
Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, zu Lukas’ tiefster Schande.
Die Aufnahme begann zu spielen.
Lukas’ Stimme füllte den Saal.
Ich hörte, wie er Müller die „Spende“ anbot.
Wie er mit den internen Finanzskandalen der Gemeinschaft drohte.
Wie er die Einstellung der Ermittlungen forderte.
Die Worte waren unmissverständlich.
Lukas’ Korruption war nicht nur ein Gerücht, sie war bewiesen.
Seine tief sitzende Angst vor der Wahrheit lag nun offen zutage.
Die Aufnahme endete.
Eine eisige Stille breitete sich aus.
Lukas’ Gesicht war kreidebleich.
Seine Augen waren weit aufgerissen, voller Entsetzen.
Der Staatsanwalt blickte triumphierend in den Saal.
„Unter dem Gewicht dieser Beweise, einschließlich Elias’ Tagebuch, das Lukas’ Manipulation und die tödliche Zwangsteilnahme an dem Ritual detailreich beschreibt, fordern wir eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung im Rahmen eines gefährlichen Kultritus.“
Die Geschworenen berieten sich kurz.
Die Spannung im Saal war greifbar.
Dann kam das Urteil.
Der Richter erhob sich.
„Lukas Weber, Sie werden der fahrlässigen Tötung im Rahmen eines gefährlichen Kultritus schuldig gesprochen.“
Ein lautes Ausatmen ging durch den Saal.
Lukas’ Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Unglauben und Resignation.
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