Chapter 5: Elias’ letztes Wort

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Lenas Worte hatten eine Tür geöffnet, die ich nie zu öffnen gewagt hätte.

Die Gewissheit, dass Elias’ Tod kein Unfall war, sondern das Ergebnis brutaler Rituale, die Lukas’ Splittergruppe dort oben am Teufelsfelsen durchführte, setzte eine neue Energie in mir frei.

Ich wusste, was ich zu tun hatte.

Mit Lenas Rat im Kopf – „Sammeln Sie Beweise, Herr Weber. Konkrete Beweise“ – und Thomas’ vager Beschreibung machte ich mich am nächsten Morgen auf den Weg zum Teufelsfelsen.

Es war ein bewölkter Tag, die Landschaft wirkte düster und abweisend.

Der Weg dorthin war steinig und von dichtem Buschwerk gesäumt.

Ich hatte diesen Ort mein ganzes Leben gemieden.

Er war ein Ort für Aberglauben und alte Geschichten.

Jetzt war er der Ort der Wahrheit.

Nach einem anstrengenden Aufstieg erreichte ich den felsigen Vorsprung.

Wind pfiff durch die zerklüfteten Felsen.

Es war eine unwirtliche Gegend.

Ich suchte nach einem „Versteck“, wie Thomas es beschrieben hatte.

Einem Ort, wo ein Kind etwas verbergen würde.

Ich durchkämmte die Spalten und Nischen, die kleinen Höhlen, die der Fels bot.

Die Kälte kroch mir in die Glieder, aber ich gab nicht auf.

Nach einer Stunde des Suchens stieß ich auf eine kleine, kaum sichtbare Vertiefung unter einem überhängenden Felsen.

Sie war notdürftig mit ein paar Steinen und Ästen abgedeckt.

Mein Herz pochte.

Ich schob die Abdeckung beiseite.

Dahinter befand sich eine kleine, feuchte Nische.

Ich tastete hinein.

Meine Finger berührten etwas Hartes.

Es war ein kleines, in Stoff gewickeltes Paket.

Ich zog es heraus.

Mit zitternden Händen wickelte ich den Stoff ab.

Zuerst sah ich ein kleines, abgenutztes Notizbuch.

Elias’ Handschrift.

Ich erkannte sie sofort.

Es war sein Tagebuch.

Das Datum auf der ersten Seite war nur wenige Wochen vor seinem Tod.

Ich blätterte vorsichtig durch die Seiten.

Die ersten Einträge waren unschuldig, alltäglich.

Doch dann wurde die Schrift hastiger, die Worte dunkler.

Er schrieb über Lukas.

Über den Druck, sich der Gruppe anzuschließen.

Über die „Spiele“, die sie spielten, um „die Schwachen auszusortieren“.

Die Rituale wurden detailliert beschrieben.

Es ging um Mutproben, um Demütigungen, um physische Belastungen.

Und immer wieder der Teufelsfelsen als Ort der Initiationen.

Ein Eintrag ließ mich erstarren.

„Lukas sagt, ich muss beweisen, dass ich würdig bin. Das ‚große Spiel‘ steht bevor. Am Teufelsfelsen. Er sagt, es ist der einzige Weg, um dazuzugehören. Aber ich habe Angst.“

Wenige Seiten später: „Sie zwingen mich. Ich will nicht mehr. Lena hat gesagt, ich soll stark sein. Ich kann nicht mehr mitspielen.“

Die letzte Seite.

Nur ein Datum, einen Tag vor seinem Tod.

Und ein einziger Satz: „Es wird heute Nacht entschieden. Ich bete.“

Die Worte waren wie ein Schlag in meine Seele.

Elias hatte nicht gebetet, dass er überleben würde.

Er hatte gebetet, dass er eine Entscheidung treffen würde.

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