Der vergiftete Hochzeitsgruß: Mein Vater demütigte uns öffentlich, dann enthüllte mein Geschenk sein wahres Gesicht
Herr Schmidt saß mir gegenüber, seine Hände waren gefaltet. Die Angst vor Konfrontation war ihm deutlich anzumerken.
„Ich… ich weiß nicht, Herr Baumann“, sagte er leise. „Die Polizei… das ist ein so großer Schritt. Ich bin ein alter Mann. Was, wenn das alles nach hinten losgeht?“
„Herr Schmidt, Sie sind der einzige, der die Wahrheit über diese Dokumente kennt“, sagte ich. „Ohne Sie haben wir keine Chance. Richter und mein Vater haben ein System aufgebaut, das auf Schweigen basiert. Wenn niemand spricht, kommen sie damit durch.“
Ich erzählte ihm von Claras Verzweiflung, von Rainers rücksichtsloser Gier. Er hörte zu, seine Augen wanderten nervös über den Cafétisch.
„Ich habe immer gedacht, ich tue nur meinen Job“, murmelte er. „Diese Nacht… ich hatte ein ungutes Gefühl. Aber der Herr Doktor war so überzeugend. Und er war mein Chef.“
„Ich verstehe das, Herr Schmidt“, sagte ich. „Aber jetzt haben Sie die Chance, das Richtige zu tun. Nicht nur für uns, sondern für Ihr eigenes Gewissen.“
Er seufzte tief. „Gut“, sagte er schließlich, seine Stimme war kaum hörbar. „Gut. Aber ich kann nicht alleine gehen. Ich brauche… ich brauche jemanden, der mich schützt.“
In diesem Moment klingelte mein Telefon. Eine unbekannte Nummer. Ich zögerte, nahm dann ab.
„Baumann hier.“
„Herr Baumann, hier ist Hauptkommissarin Meier“, sagte eine kühle, professionelle Stimme. „Ich habe Ihre Unterlagen noch einmal durchgesehen.“
Mein Herz raste. Sie hatte sich gemeldet.
„Ich habe einige… Unregelmäßigkeiten in Notar Richters jüngsten Fällen gefunden“, fuhr Meier fort. „Muster, die mich an Ihre Beschreibung von Herrn Baumanns Methoden erinnern. Ich habe den Eindruck, dass Richter diese Techniken auch in anderen Fällen angewandt hat.“
Das war es. Twist 7. Sie hatte das Muster erkannt. Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen.
„Das freut mich zu hören, Kommissarin“, sagte ich. „Ich habe gerade eine sehr interessante Begegnung gehabt, die Ihre Vermutungen untermauern könnte.“
Ich schlug vor, uns sofort zu treffen. Meier zögerte kurz.
„Nicht im Revier“, sagte sie dann. „Das hier ist noch inoffiziell. Treffen wir uns in einer Stunde in einem Café in der Nähe des Hafens. Kommen Sie nicht alleine.“
Ich sah Herrn Schmidt an.
„Das ist unsere Chance“, sagte ich zu ihm. „Eine Kommissarin will mit uns reden. Sie hat bereits selbst recherchiert.“
Sein Gesicht wurde blass, aber ich sah auch einen Funken Hoffnung in seinen Augen.
Eine Stunde später saßen wir in dem verabredeten Café. Meier war bereits da, eine unscheinbare Frau in ziviler Kleidung. Sie scannte den Raum, bevor sie uns begrüßte.
„Herr Schmidt, richtig?“, sagte sie, nickte ihm zu. „Herr Baumann hat mir bereits einiges über Ihre Rolle erzählt.“
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