Chapter 7: Der Druck auf Jens

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Die Euphorie über Jens’ „Schatzkiste” hielt nicht lange an. Eva Brandl hatte Ohren überall, und die Nachricht, dass Jens Müller nicht mehr ihr loyaler Assistent war, sickerte schnell durch. Er hatte sich bei einem ehemaligen Kollegen über Evas Verhalten beschwert, in der naiven Hoffnung, Mitgefühl zu finden. Stattdessen war der Hinweis umgehend zu Evas Anwalt, Dr. Kohl, gelangt.

Einige Tage nach unserem Treffen im Café erhielt Jens einen Anruf von Dr. Kohls Kanzlei. Er rief mich sofort an, seine Stimme war wieder am Telefon zitternd, voller Panik.

„Sie wissen es!”, flüsterte er ins Telefon. „Dr. Kohl hat mich angerufen. Er hat mir gedroht, Frau Richter.”

Mein Herz sank. Ich hatte gewusst, dass es riskant war, doch die Geschwindigkeit, mit der Eva und ihr Anwalt reagierten, war erschreckend. Eva Brandl ließ keine Verräter ungeschoren.

„Was genau hat er gesagt?”, fragte ich, bemüht, ruhig zu bleiben, um Jens nicht noch mehr aufzuregen.

„Er hat gesagt, ich hätte gegen meine Vertraulichkeitsvereinbarung verstoßen. Er hat mit einer Klage wegen Vertragsbruch gedroht, in Höhe von über hunderttausend Euro. Er sagte, sie würden meine gesamte Karriere ruinieren.”

Die Summe war schockierend, wenn auch für Evas Verhältnisse nicht unerwartet. Sie spielte immer mit hohen Einsätzen, besonders wenn es darum ging, Menschen einzuschüchtern. Jens war fassungslos. Er hatte nicht mit solch einer brutalen Reaktion gerechnet, obwohl ich ihn gewarnt hatte.

„Ich habe doch nichts weitergegeben!”, rief er verzweifelt. „Nur mit einem alten Freund über Eva geredet. Das ist doch keine Weitergabe vertraulicher Informationen!”

„Für Dr. Kohl schon”, sagte ich. „Er wird alles versuchen, um Sie zum Schweigen zu bringen.”

Ich vereinbarte sofort ein Treffen mit Frau Becker, und wir baten Jens, ebenfalls zu kommen, wenn auch unter strengster Vorsichtsmaßnahme. Er erschien sichtlich mitgenommen, seine Augen waren rot unterlaufen. Er hatte die Nacht kaum geschlafen.

„Ich habe solche Angst”, gestand Jens, als er in Frau Beckers Büro saß. „Ich habe mein ganzes Leben für diesen Beruf gearbeitet. Wenn Eva mich ruiniert, stehe ich vor dem Nichts.”

Er hatte in der Vergangenheit nur für Eva gearbeitet, sein ganzes Netzwerk war um sie herum aufgebaut. Die Drohung, ihm die Türen in der Medienbranche für immer zu verschließen, war für ihn eine existenzielle Bedrohung. Es war eine gezielte, persönliche Grausamkeit, die auf seine tiefsten Ängste abzielte.

Frau Becker hörte aufmerksam zu, ihre Miene war ernst. „Dr. Kohl ist bekannt für diese aggressive Taktik. Er will Ihnen den Mut nehmen, gegen Eva auszusagen. Er will Ihnen zeigen, was passiert, wenn Sie nicht loyal sind.”

„Aber ich will doch nur das Richtige tun!”, rief Jens, seine Stimme brach. „Ich kann Evas Lügen nicht länger ertragen. Ich kann nicht leben mit dem, was ich getan habe.”

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